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Politik

»Das ist keine Liebesaffäre«

Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif, 58, fordert die Europäer auf, sich gegen Donald Trump zu wenden und den Austritt der USA aus dem Atomabkommen zu kompensieren – und rechtfertigt das Eingreifen seines Landes in Syrien.

ARASH KHAMOOSHI / DER SPIEGEL
von
Christiane Hoffmann
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Politik

SPIEGEL: Herr Außenminister, im Mai hat US-Präsident Donald Trump das Atomabkommen einseitig aufgekündigt. Im August wurden Sanktionen gegen Iran wieder in Kraft gesetzt. Seitdem geht es mit Ihrer Wirtschaft weiter bergab. Fühlen Sie sich von den Europäern im Stich gelassen?

Zarif: Die Europäer stehen vor einer sehr grundsätzlichen Frage. Es geht um die Prinzipien der internationalen Beziehungen. Die USA wollen dem Rest der Welt ihren politischen und wirtschaftlichen Willen aufzwingen. Es gibt einen Beschluss des Uno-Sicherheitsrats zum Nuklearabkommen, Iran hält sich daran, die USA verstoßen dagegen. Jetzt verlangen die USA von allen anderen, dass sie ebenfalls internationales Recht brechen. Europa muss entscheiden, ob es sich dem unterwirft. Das ist ein Präzedenzfall, der sehr langfristige Folgen haben wird.

SPIEGEL: Für Anfang November hat Trump weitere Sanktionen gegen Iran angekündigt, sie sollen den Ölexport Ihres Landes unterbinden. Präsident Hassan Rohani hat für diesen Fall damit gedroht, dass Iran die Straße von Hormus schließen würde. Das wäre de facto eine Kriegserklärung an die Vereinigten Staaten.

Zarif: Rohani sprach von dem Fall, dass es den Amerikanern tatsächlich gelingt, Irans Ölexport zu kappen. Dann könnten auch alle anderen nicht davon ausgehen, dass sie weitermachen können wie bisher.

SPIEGEL: Rohani warnte die USA, »nicht mit dem Schwanz des Löwen zu spielen«. Das würden sie »bereuen«.

Zarif: Wir glauben, dass es nicht dazu kommt. Iran wird…

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Nr. 38/2018