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Kultur

»Das Goldene, das Dunkle«

Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy über das Blut, das an musealen Schätzen klebt, ihre Rolle als Ruhestörerin und ihre Schützenhilfe für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der Kulturgut nach Afrika zurückgeben will

HERMANN BREDEHORST / DER SPIEGEL
von
Ulrike Knöfel
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Savoy, Jahrgang 1972 und gebürtige Französin, lehrt in Berlin an der Technischen Universität und in Paris am Collège de France. Sie hat eine weltweite Debatte über museale Stücke ausgelöst, die zu Kolonialzeiten nach Europa gekommen waren: Kult- und Alltagsgegenstände wie Herrscherstäbe und Töpfe, Schmuck und Schwerter, Königsstühle, Masken. Auch im künftigen Humboldt Forum, das ins Berliner Stadtschloss einziehen und ein Vorzeigemuseum werden soll, werden ab 2019 solche Kulturgüter zu sehen sein. Aus dem Beirat ist Savoy bereits 2017 ausgetreten. Der französische Präsident Emmanuel Macron ernannte sie im Frühjahr zu seiner Beraterin.

SPIEGEL: Frau Savoy, Sie unterrichten Kunstgeschichte, eigentlich ein stilles Fach für zurückhaltende Professoren. Sie aber sagen, was Sie denken, und zwar so, dass es alle mitbekommen. Die einen halten Sie für eine Ruhestörerin, die anderen für eine Erlöserfigur. Wie sehen Sie sich selbst?

Savoy: Jedenfalls nicht in diesen Kategorien. Ich erforsche die Verlagerung von Kulturgütern. Das Thema beschäftigt mich seit meinen ersten wissenschaftlichen Schritten. Ich gehe einfach einen Weg, meinen Weg. Der Wanderer wandert, und für manche sieht es aus, als käme er von hinten, für andere, als käme er von vorn.

SPIEGEL: Sobald es um Kulturgüter aus ehemaligen Kolonien und um die mögliche Rückgabe geht, fällt Ihr Name. Wie gefällt Ihnen diese Resonanz?

Savoy: Aus meiner Perspektive ist es so: Ich sage die ganze Zeit dasselbe, seit vielen Jahren schon, ich sage heute nichts anderes als das, was ich vor 10 oder auch 20 Jahren gesagt habe, doch plötzlich werde ich auch von vielen außerhalb der wissenschaftlichen Welt gehört, und meine Arbeit als Kunsthistorikerin hat politische Schlagkraft.…

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Nr. 29/2018