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Fernweh

Das Ende von Istancool

Istanbul war bei Touristen so beliebt wie nur wenige andere Städte, es stand für die Versöhnung von Orient und Okzident. Dann kamen Erdoğan und der Terror. Und jetzt?

FURKAN TEMIRN / DER SPIEGEL
von
Maximilian Popp
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Fernweh

Baba Zula tritt auf – im Babylon. Noch vor nicht allzu langer Zeit hätte das geheißen: Istanbuls Partyjugend, Hipstervolk und Musikerszene kommt im coolsten Klub der Stadt zusammen, ein euphorischer Abend mitten im Stadtteil Beyoğlu kündigt sich an, dem allzeit bebenden Herzen der jungen Türkei. Baba Zula und Babylon, die beiden Namen versprachen rauschende Partys, auf denen die Jugend der Stadt und Touristen aus Berlin, New York und Paris sich selbst feierten, die Liebe und das Leben.

An diesem Abend wird Baba Zula, eine türkische Rockband, zwar wieder einmal ein Konzert geben, und das Babylon wird auch wieder einmal voll sein – aber viel hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Wie ein wertvolles Kunstwerk oder ein Flughafen ist der Klub gesichert, mit Sicherheitsschranken und Wachleuten, die Besucher nach Waffen abtasten. Das Babylon musste schon 2015 fort aus der Mitte der Stadt, weg von Beyoğlu, auf ein altes Brauereigelände, umschlossen von zugigen Straßen.

Ahmet Uluğ, der den Klub 1999 gemeinsam mit seinem Bruder und einem Freund eröffnet hat, nippt an einem Espresso und wirkt melancholisch: »Das gab es früher nicht«, sagt er und schaut Richtung Eingang, wo die Röntgengeräte stehen. Seine Gäste hätten aber nach den vielen Terroranschlägen der vergangenen Jahre Sicherheitsmaßnahmen verlangt. Immerhin komme das Publikum auch an den neuen Standort, hier draußen – der Name Babylon ziehe immer noch. Und Baba Zula sowieso.

Ahmet Uluğ sah…

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Nr. 20/2018