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Gesellschaft

Dagegen! Aber warum?

Bis zu 100000 Demonstranten gegen den G-20-Gipfel wurden in Hamburg erwartet. Wogegen wenden sie sich? Was treibt sie an? Zehn Teilnehmer erzählen.

JOHANNES ARLT / DER SPIEGEL
von
Laura Backes
,
Maik Baumgärtner
,
Hubert Gude
und
Gunther Latsch
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Gesellschaft

Die Feministin

Marei, 25, studiert soziale Arbeit und jobbt in einer Frauenberatung in Nürnberg.

SPIEGEL: Marei, warum sind Sie hier?

Marei: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Forderungen habe ich keine, weil ich nicht glaube, dass dieses Treffen entscheidend ist. Die machen das ganze Jahr über ihre Arbeit – und wir Gegner unsere. Wenn die sich zu solchen Prestigeveranstaltungen treffen, dann kommen wir auch und setzen ein Zeichen als Gegengewicht. Vielleicht motiviert das andere, die von der Welt, wie sie ist, genervt sind.

SPIEGEL: Was stört Sie am meisten an den G 20?

Marei: Dieses Mal steht die Frauenförderung groß auf dem Plan, doch die meisten Teilnehmer sind weiterhin Männer. Für mich hat es kein emanzipatorisches Moment, Frauen lediglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das bedeutet nichts anderes, als aus Frauen Kapital zu schlagen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Staatschefs die patriarchalen Strukturen thematisieren und sich fragen, warum die Pflege- und Erziehungsarbeit, die viele Frauen leisten – die sogenannte Care-Arbeit –, noch immer schlecht oder gar nicht bezahlt wird. Oder warum vor allem Frauen Opfer von sexualisierter Gewalt und Alltagssexismus sind.

SPIEGEL: Sollte man die G 20 abschaffen?

Marei: Das ist mir wurscht. Wenn das alles korrekte…

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Nr. 28/2017