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Wirtschaft

Blankoscheck mit Folgen

Der Discounter Aldi Nord befindet sich im Feldzug mit aufmüpfigen Mitarbeitern. Sie wollen keine neuen Arbeitsverträge mit schlechteren Konditionen unterschreiben. Von der Gewerkschaft Ver.di kommt trotzdem kaum Hilfe.

MARCUS SIMAITIS / DER SPIEGEL
von
Kristina Gnirke
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Vergangenen Sommer stand irgendwann alles voll: die Gänge, das Lager, die Zwischenräume. Trotzdem lieferten die Lkw-Fahrer unverdrossen weiter, sogenannte Aldi-Aktuell-Artikel, von Kleidung bis Spielzeug, in grünen Kisten und Bananenkartons. Fünfmal mehr Ware als sonst, sagt Carolin Matzke.

Matzke ist die Leiterin einer Aldi-Filiale in Augustdorf, südwestlich von Detmold. Die Artikel waren für sie bestimmt. »Die meisten Sachen waren kaputt, kamen in aufgerissenen Verpackungen, waren unverkäuflich«, sagt die 44-Jährige. »Sie wollten meinen Laden zustopfen.«

Mehrmals bat sie ihren Regionalverkaufsleiter, die offensichtlich aus anderen Filialen stammenden Lieferungen zu stoppen. Ohne Erfolg.

Stattdessen sei ihr Chef auch an hektischen Aktionstagen morgens in der Filiale aufgetaucht, habe gezielt nach abgelaufener Kühlware gesucht, die Matzke hätte aussortieren müssen. Oder er verlangte, dass sie trotz des Kundenansturms erst mal den Bereich fege, wo in rund 50 Drahtkörben kleinere Waren liegen. An einem Tag im März 2017 notierte sie fast 20 Aufgaben, die sie zusätzlich erledigen sollte. Auch Extrainventuren habe ihr Chef regelmäßig angeordnet, jede Woche drei Warengruppen: Zigaretten, Tütensuppen, Alkohol, rund sechs Stunden Mehrarbeit für Matzke.

»Sie haben versucht, mich systematisch fertigzumachen«, sagt Matzke. Sie sah sich unter Druck gesetzt, weil sie sich weigerte, einen neuen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Einen Vertrag, den alle Aldi-Nord-Mitarbeiter unterschreiben sollen – und der deutlich schlechtere Konditionen beinhaltet.

Aldi weist die Vorwürfe von Matzke zurück. Es sei mehr als üblich geliefert worden, nicht aber die fünffache Menge, und auch bei anderen Filialen. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen den Lieferungen und Matzkes Arbeitsvertrag…

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Nr. 33/2018