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Bildhauer des Lebens

Ein amerikanischer Bioforscher entwickelt eine Turbomethode, mit der sich die Evolution gezielt steuern lässt. Das Verfahren taugt als Wundermittel gegen Malariamücken – aber auch als gefährliche Biowaffe.

DER SPIEGEL
von
Johann Grolle
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Das Zika-Virus besiegen? Technisch sei das kein Problem, sagt Kevin Esvelt, 33. Die Waffen dazu stünden bereit – nur zögere er, sie einzusetzen. "Irgendwie ist es unfair", sagt der Gentechniker vom Massachusetts Institute of Technology (MIT).

"Gene Drive" heißt das Gentech-Verfahren, mit dessen Hilfe er glaubt, das Virus bekämpfen zu können. Die Methode beruht auf Turbogenen, die sich, in das Erbgut von Organismen eingeschleust, im Handumdrehen in Populationen verbreiten. Ganze Spezies lassen sich auf diese Weise gentechnisch verändern.

Die Ägyptische Tigermücke etwa, die das Zika-Virus überträgt, könnten Gentechniker mit dieser Methode resistent gegen den Erreger machen. Die Forscher könnten den Insekten aber auch eine genetische Zeitbombe ins Erbgut pflanzen, die binnen wenigen Generationen sämtliche Mücken dieser Spezies auslöschen würde. "Technisch ist so etwas jetzt machbar", sagt Esvelt. "Die Frage ist nur, ob wir das wirklich wollen."

Vielleicht, meint er, werde sich Gene Drive als großer Segen für die Menschheit erweisen. Nicht nur das Zika-Virus, sondern auch andere von Insekten oder Zecken übertragene Krankheiten ließen sich damit endlich wirksam bekämpfen: Gelbfieber, Dengue, Borreliose und vor allem Malaria. Auch invasive Schädlinge wie die Aga-Kröte in Australien oder die Hausratte auf den Galápagos-Inseln könnten mithilfe dieses Verfahrens ausgetilgt werden. Ja, vielleicht sei es dank der neuen Turbogene sogar möglich, dem…

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Nr. 10/2016