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„Betrunkene wählen konservativ“

Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen, 49, will Abgeordnete zum Arzt schicken. Ein Gespräch über Krankheit und Politik, Testosteron und Interviews als Therapie.

NORMAN KONRAD / DER SPIEGEL
von
Britta Stuff
und
Christiane Hoffmann
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Kulturwahlkampf

Politik ist immer auch Inszenierung, im Wahlkampf muss sie besonders perfekt sein. Der SPIEGEL spricht in loser Folge mit Künstlern und Kreativen über die Macht der Bilder, der Worte und der Gesten.

SPIEGEL: Herr von Hirschhausen, ist Politik ungesund?

Hirschhausen: Aus medizinischer Sicht kann ich eigentlich niemandem raten, Politiker zu werden. Noch nicht einmal Gesundheitspolitiker. In der Spitzenpolitik kommen eine Menge Risikofaktoren zusammen: negativer Stress, Schlafmangel, Dauerbeobachtung und Bewertung durch die Öffentlichkeit. Politiker sollen nie was Falsches sagen, nie auf einem Schnappschuss blöd gucken. Sie sind oft rastlos unterwegs, haben zu wenig Erholung. Sie essen ständig pappige Brötchen und Kekse und stoßen an mit Getränken und Leuten, die sie eigentlich nicht mögen.

SPIEGEL: Sind Spitzenpolitiker also kränker als Normalbürger?

Hirschhausen: Nein, wer das nicht aushält, kommt gar nicht erst nach oben. Es gibt eine Selektion von zähen Persönlichkeiten, aber der Druck wird nach oben größer.

SPIEGEL: Wir sind also gar nicht so weit entfernt von der Steinzeit, wo wohl eher die Starken die Anführer waren.

Hirschhausen: Es ist eine körperliche und eine psychische Auslese. Deshalb habe ich Hochachtung vor jedem, der sich das antut – und vor jedem, der irgendwann sagt: Ich kann nicht mehr, so wie Kurt Beck…

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Nr. 30/2017