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Bauchraum in Flammen

Ein griechischer Mediziner vermutet im Darm das Kontrollzentrum, das den menschlichen Stoffwechsel reguliert. Er fand dort einen Schalter, mit dessen Hilfe Diabetes kuriert werden könnte. Als Versuchstiere dienen ihm Würgeschlangen.

JASON GROW / DER SPIEGEL
von
Johann Grolle
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Warm müssen die Mäuse sein. „Wenn sie direkt aus dem Kühlschrank kommen, rühren die Schlangen sie nicht an“, sagt Arthur Nedder. Die Fütterung ist für den Veterinär am Children’s Hospital in Boston, wie wohl für die meisten Schlangenfreunde, der Höhepunkt der Reptilienhaltung.

Nedder lässt eine tote Maus im Käfig baumeln. Züngelnd nimmt der Python Witterung auf. Seine Sicht ist schlecht, doch vermag er eine Silhouette zu erkennen, die sich unregelmäßig hin und her bewegt. Und er spürt, dass das zappelnde Etwas die Temperatur eines Beutetiers hat.

Plötzlich schießt der Kopf des Reptils nach vorn, spitze Zähnchen bohren sich ins Mäusefleisch, in Sekundenbruchteilen umschlingt der Schlangenkörper die Beute. Zwei Minuten lang verharrt der Python so, dann beginnt er die Maus mit dem Kopf voran zu verschlingen.

Eine Viertelstunde später ist die Beute verschwunden, die Schlange hat sich in ihren Unterschlupf zurückgezogen. Dort findet nun, unsichtbar für den Betrachter, das eigentliche Spektakel statt: die Verdauung.

„Die Tiere werden nur alle vier Wochen gefüttert“, meint Nedder mit unverkennbarem Bedauern. „Aber gerade deshalb interessiert sich Nick ja dafür.“ Er spricht von seinem Kollegen Nicholas Stylopoulos, in dessen Auftrag er die Schlangen versorgt. Stylopoulos ist Chirurg, sein Interesse gilt eigentlich der menschlichen Verdauung. Diese glaubt er besser verstehen zu können, wenn er den staunenswerten Wandlungsprozess untersucht,…

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Nr. 22/2016