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Kultur

Auf der Suche nach der verlorenen Musik

Sein erstes Album veröffentlichte der britische Musiker Elvis Costello 1977. Es machte ihn weltberühmt. Heute hat die Popwelt ihn fast vergessen. Er hat es so gewollt.

MARKUS TEDESKINO / DER SPIEGEL
von
Thomas Hüetlin
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Gewöhnliche Rockstars tragen gern auch im Alter noch Jeans und T-Shirt und dazu einen Bauch. Elvis Costello allerdings ist jetzt 61, er hat einmal gesagt, dass er sein Leben lang im Anzug zur Arbeit gegangen sei, und so ist es auch an diesem Oktobermontag, als er die Tür zu seiner Suite im Hamburger Park Hyatt öffnet: im Anzug, schwarz, dazu ein Strohhut. Ein kurzer Blick, ein kleines Schmunzeln. "Wenigstens", sagt er, "passen die Krawatten zueinander."

Es gibt Leute, die ihn für eine Ausnahmeerscheinung halten. Für einen Helden. Für einen großartigen Musiker, der seit fast 40 Jahren großartige Musik macht. Ein paar Jahrgänge des vergangenen Jahrhunderts verehren Elvis Costello wie einen Gott. Er war ein Idol ihrer Jugend und ist es auch jetzt, wenn die grauen Haare kommen. Trifft man einen Gott, bindet man sich die Krawatte um.

Seine Karriere begann Costello in den wilden Tagen des Punk in London, aber weil er irgendwann unterwegs aus dem Blickfeld geriet, ist er heute für die nachkommenden Generationen ein Unbekannter, auch wenn die jetzt die gleichen großen schwarzen Nerdbrillen tragen wie Costello damals, als er anfing.

Rund 30 Studioalben hat Costello seit 1977 veröffentlicht, dazu einige Liveaufnahmen. Er drängte sich nie durch offenherzige Bekenntnisse in die Medien, sondern hat Distanz gewahrt. Seine Karriere ist ein großes Rätsel. Nun bringt er seine Autobiografie heraus, sie füllt fast 800 Seiten: "Unfaithful Music"*.

Autobiografie

* Elvis Costello "Unfaithful Music. Mein Leben". Berlin Verlag, Berlin; 784 Seiten; 29,99…

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Nr. 47/2015