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Gesellschaft

Asyl für Pünktchen

Tausende Deutsche begnügen sich nicht mit Hund oder Hamster, sie beschaffen sich lieber Pumas, Affen oder Krokodile – und sind damit überfordert. Wohin mit den Exoten?

SONJA OCH / DER SPIEGEL
von
Julia Koch
Lesezeit 7 Min
Gesellschaft

Igor sieht plüschig und harmlos aus. Träge ruht der Tiger in seinem Käfig; die Besucher am Gitter scheinen ihn nicht zu interessieren. Tierpfleger Olaf Neuendorf kümmert sich seit zehn Jahren um ihn, damals war die 240-Kilo-Großkatze noch ein Baby. Könnte er jetzt einfach die Tür aufschließen und in Igors Gehege steigen? "Schon", sagt Neuendorf, "aber dann würde er mich töten."

Auch Rokko und Anubis, den Eurasischen Luchsen, würde Neuendorf niemals nahekommen. Vor dem Saubermachen schließt er die Schiebetür in ihrem Gehege. Die Tiere sind dann auf der einen Seite, Neuendorf auf der anderen. "Luchse sind unglaublich wendig und haben messerscharfe Krallen", sagt er, "die könnten mich schwer verletzen."

Klar, eine Raubkatze ist kein Kuscheltier, deswegen hält man sie ja auch nicht bei sich zu Hause. Oder?

Leider doch. Viele von Neuendorfs Schützlingen im Raubtier- und Exotenasyl stammen aus privater Haltung. Sie wurden beschlagnahmt oder abgegeben.

Ein Wohngebiet im mittelfränkischen Ansbach: In einem Garten stehen Trampolin und Rutsche, auf der anderen Straßenseite hinter einem Zaun die Käfige von Igor und seinen Brüdern Boris und Ussuri, von ihren Artgenossen Tiger und Kiara, von Pünktchen, dem Pumaweibchen, Finja, der Polarfüchsin, Kalaharia, dem Karakal, und von Nala und Tayo, den Rotgesichtsmakaken. Ab und an verrät das Rascheln in den Plastikrohren zwischen einigen Gehegen, wo das ein oder andere der zehn Frettchen gerade…

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Nr. 24/2017