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Wirtschaft

Angst vor dem Mittelpunkt

BMW-Vorstandschef Harald Krüger verkörpert einen anderen Managertypus: Er ist leise, scheut die große Bühne, nimmt seine Mitarbeiter ernst. Im Konzern wachsen aber die Zweifel, ob das reicht, um den Herausforderungen gerecht zu werden.

THOMAS DASHUBER / DER SPIEGEL
von
Simon Hage
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Harald Krüger hat Methoden entwickelt, um dem Stress des Managerlebens zu entkommen. Sobald er sich zu seinem Chauffeur in den Dienstwagen setzt, schaltet der BMW-Chef Entspannungsmusik ein und taucht für etwa zehn Minuten in eine Traumwelt ab. Ein Mentaltrainer hat ihn in die Geheimnisse der Meditation eingeweiht.

Auch in seinem Büro, im 22. Stock der Münchner BMW-Zentrale, nimmt sich Krüger, 51, kurze Auszeiten. Er schließt dann die Tür, stellt das Telefon um und begibt sich an sein Stehpult. Darauf liegen ein Blatt Papier, ein Stift und ein rosarotes Stoffschwein, das seine Kinder ihm geschenkt haben. Durch das Fenster blickt er auf die Silhouette Münchens, bei schönem Wetter sieht er auch die Alpen. Krüger lässt dann die Gedanken kreisen und notiert, was ihm dabei in den Sinn kommt.

"Wenn Sie als Vorstandschef Entscheidungen treffen wollen", sagt er, "brauchen Sie auch mal geistige Freiräume."

Es war ein Erlebnis im Jahr 2015, das Krüger verändert hat. Bei seiner ersten großen Pressekonferenz als BMW-Chef brach er auf der Bühne zusammen, vor laufenden Kameras und Hunderten Journalisten. Eine Mischung aus Nervosität und Kreislaufschwäche ließ ihn kollabieren. Seither wird Krüger bei jedem größeren Auftritt von argwöhnischen Blicken begleitet – und von seiner eigenen Angst, der Vorfall könnte sich wiederholen.

Bei einem späteren Messeauftritt im Jahr 2016 traf Krüger Vorsorge. Er ließ einen Tresen auf der Bühne postieren und stellte sich dahinter, nur für den Fall, dass seine Knie wieder weich würden.

Dieses Jahr im März, beim Genfer Autosalon, schickte Krüger dann lieber seine Vertriebschefs vor. Er selbst begnügte sich mit einem…

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Nr. 19/2017