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Wirtschaft

„Angela May und Theresa Merkel“

Wohin steuert Großbritannien? Der britische Finanzexperte David Marsh erwartet, dass der EU-Austritt den Briten weniger schadet als dem Rest Europas.

ANDREA ARTZ / DER SPIEGEL
von
Alexander Jung
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Wirtschaft

Marsh, 64, ist einer der besten Kenner der europäischen Finanzindustrie. Er hat das Official Monetary and Financial Institution Forum mitgegründet, eine Londoner Denkfabrik für Finanz- und Wirtschaftsthemen, und leitet es. Davor arbeitete er bei verschiedenen Instituten und als Journalist. In den Neunzigerjahren war Marsh für die „Financial Times“ in Deutschland tätig.

SPIEGEL: Mr Marsh, haben Sie für den Ausstieg der Briten aus der EU gestimmt? 

Marsh: Nein, ich war für den Verbleib. Ich habe allerdings etwas getan, was ich sonst nicht mache: Ich bin zu Ladbrokes gegangen, einem Buchmacher, und habe 200 Pfund auf „Ausstieg“ gesetzt. Ich wollte mir für den Fall des Falles wenigstens einen Trostpreis sichern.

SPIEGEL: Wie viel haben Sie gewonnen?

Marsh: 600 Pfund. Das lindert ein wenig meinen Schmerz.

SPIEGEL: Nach dem Referendum vor fünf Wochen erwarteten viele einen Absturz der Wirtschaft. Bislang sieht es jedoch nicht danach aus. Waren die Sorgen übertrieben?

Marsh: Ich glaube schon. Natürlich erleben wir jetzt eine Phase der Unsicherheit, die Unternehmen investieren vielleicht weniger. Aber in 20 Jahren werden wir wohl kaum sagen, dass dieses Referendum zu irgendwelchen Katastrophen geführt hat. Der Brexit bietet sogar Chancen.

SPIEGEL: Wo sehen Sie die?…

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Nr. 31/2016