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Angeblich beste Freunde

Wir lieben ihn mehr als jedes andere Geschöpf, doch wir lieben ihn zu Tode: den Hund. Vom Beschützer und Jagdkameraden zum röchelnden, kränkelnden Mode-Fiffi mit glupschigen Augen – der Mensch hat das Tier kaputt gezüchtet.

THOMAS VICTOR / DER SPIEGEL
von
Julia Koch
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Bruno schnarcht. Die Familie sitzt bei Tee und Kuchen um den Wohnzimmertisch, der Hund hat sich in eine Ecke der hellbraunen Ledercouch gefläzt und ist im Nu weggedöst. Herrliches Hundeleben.

Wenn Brunos Gegrunze purer Ausdruck von Behaglichkeit wäre, müsste man ihn jetzt wohl beneiden. Doch das Röcheln gehört zu ihm, ganz gleich, ob es ihm gerade gut geht oder nicht; es ist ein Merkmal seiner Rasse. Bruno, neun Jahre alt, 23 Kilogramm schwer, zählt zu den Englischen Bulldoggen; Hunden wie jenem, der in einem bekannten Werbespot für Diätpulver neben einem Bikinimodel am Strand entlangschwabbelt.

"Bruno ist mein Traumhund", sagt Besitzer Christoph Jung aus Weißenfels in Sachsen-Anhalt, "ich finde ihn cool, und er hat trotzdem viel Temperament, er ist nicht anspruchsvoll und tut alles für die Liebe seiner Menschen." Gleichwohl steht für Jung fest: Bruno wird seine letzte Bulldogge sein. "Die Rasse ist einfach zu krank", sagt er.

Jung ist Psychologe, Besitzer dreier Hunde und in seiner Freizeit Hundeforscher. Gemeinsam mit seiner Partnerin Daniela Pörtl, einer Ärztin, verfasst er Fachartikel, die beiden reisen regelmäßig zu Kynologiekongressen. Ihr Forscherinteresse gilt der Beziehung zwischen Hund und Halter sowie der Jahrtausende währenden gemeinsamen Evolution des Menschen und seines treuesten Gefährten. Ihre Mission: die Aufklärung über die gruseligen Auswüchse der modernen Rassehundezucht.

Der Hund war das erste Haustier des Menschen – sein Siegeszug in die Herzen begann vor Zehntausenden Jahren, als zutrauliche Wölfe die ersten, noch lockeren Allianzen mit Homo sapiens schmiedeten…

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Nr. 11/2017