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Politik

Amerikanische Träumer

In einem kleinen Ort an der Grenze zu Mexiko leben fast nur Latinos. Viele sind illegale Einwanderer. Der Bürgermeister will sie vor Donald Trump beschützen.

SCOTT DALTON / DER SPIEGEL
von
Mathieu von Rohr
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Politik

Raul Reyes steht am Ufer des Flusses, der die USA von Mexiko trennt, er trägt ein schwarzes Jackett und schwitzt in der Mittagssonne. Das Flussbett ist schmal, das Wasser bräunlich, hohes Schilf wächst auf beiden Seiten. Nichts deutet darauf hin, dass hier eine Grenze verläuft, es gibt kein Schild, keine Absperrung. Ein weißer SUV mit der Aufschrift "US Border Patrol" rollt über einen Feldweg, dann ist es wieder ruhig.

Reyes ist der Bürgermeister von El Cenizo, Texas, der Kleinstadt, die hinter ihm am Hügel liegt. Sie ist in diesen Tagen ins Zentrum der amerikanischen Debatte über Einwanderung geraten. Fast alle der 3300 Einwohner von El Cenizo sind Latinos, fast alle haben Wurzeln in Mexiko, schätzungsweise ein Fünftel sind illegale Einwanderer.

"Seit Donald Trump zum Präsidenten gewählt worden ist", sagt Reyes, "haben die Leute hier große Angst. Viele wissen nicht, was sie tun sollen." Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, zwölf Millionen Illegale abzuschieben, weil sie "Drogen und Verbrechen" ins Land bringen würden.

Raul Reyes will die Einwohner seiner Stadt vor Trump beschützen. Er sagt, die Grenze sei tatsächlich ein Knotenpunkt für Schmuggler, die Drogen und Menschen über den Fluss bringen. Auch er wünscht sich mehr Schutz vor Kriminellen, auch für die Bürger seines Ortes. Schließlich befindet sich nur wenige Meter von hier der Sportplatz, den er für die Jugendlichen im Ort hat anlegen lassen. Außerdem gehen die Leute hier abends gern angeln.

"Nur mit dem Thema ,Einwanderung' hat das alles nichts zu tun", sagt er. "Wir werden uns nicht zu Trumps Abschiebeeinheit machen lassen." Reyes ist erst 34 Jahre alt, aber er ist seit zwölfeinhalb Jahren im Amt. Als er zum ersten Mal gewählt wurde, war er der jüngste…

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Nr. 27/2017