Lesezeit 12 Min
Kultur

Am Anfang war der Pop

Das Londoner Victoria and Albert Museum feiert die Sechzigerjahre – jenes Jahrzehnt, in dem sich der Westen entscheidend modernisierte.

THOMAS HÜETLIN / DER SPIEGEL
von
Thomas Hüetlin
Lesezeit 12 Min
Kultur

Das Gefühl, dass da auf einmal unheimliche Kräfte am Werk waren, hatte Terry O'Neill gelegentlich. Wie hätte es sonst sein können, dass einer wie er mit einem schwarzen, viereckigen Apparat herumlief und sich Fotograf nennen durfte?

Fotograf, das waren vornehme Menschen wie jener Gentleman, der Lord Snowdon hieß, oder andere feine Herrschaften.

Aber nicht einer wie Terry, dessen Vater trank und am Band arbeitete bei Ford und dessen Mutter dachte, dass der Sohn einmal ein schöneres Leben haben sollte, zum Beispiel hinter dem Schalter einer Bank in Heston, einem traurigen Vorort von London.

Ausgerechnet Heston – ein paar Häuser, die die Menschen passierten auf dem Weg zum Flughafen, aber nicht, um ihr Geld anzulegen.

Die wenigsten hatten etwas übrig in Heston. Schon gar nichts Bares.

Und jetzt saß Terry in der berühmten Zeitungsstraße von London, der Fleet Street, und das Telefon klingelte.

"Hier sind die Abbey Road Studios, wir haben hier eine Gruppe, die gerade ein Album aufgenommen hat, das 'Please Please Me' heißt. Könnten Sie heute Nachmittag vorbeikommen und ein Foto von den Jungs machen?"

O'Neill konnte. Das war jetzt ja schließlich sein Job, Fotos machen. Er hatte Jazzdrummer werden wollen, da war er 16.

New York, fand er, sei eine gute Adresse für Jazz. Er heuerte bei einem Vorläufer von British Airways an, er wohnte ja neben dem Flughafen, die würden ihn schon nach New York bringen, selbst wenn er dabei als Steward den Tee im Gang ausschenken musste.

Aber statt eines Getränkekarrens gaben sie ihm einen Fotoapparat in die Hand, Gebäude ablichten. Terry fotografierte dann…

Jetzt weiterlesen für 0,91 €
Nr. 36/2016