Lesezeit 13 Min
Politik

Als wäre es ein Donut

Der Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem stürzt die diplomatische Welt in ein Chaos. Wenn man sich dort hineinbegibt, bekommt man eine Vorstellung, wie es in Donald Trumps Kopf aussieht.

JONAS OPPERSKALSKI / DER SPIEGEL
von
Alexander Osang
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Politik

Die Botschaft Guatemalas in Israel befindet sich in einem mittelalten Bürogebäude außerhalb von Tel Aviv, in Herzlia, direkt an der Autobahn. Es ist nicht ganz einfach, den Eingang zu finden, und wenn man im Gebäude fragt, wo Guatemala sitzt, weiß das auch kaum jemand. Es sitzt im vierten Stock, zusammen mit der Firma Red Sea, die sich mit Fischzucht beschäftigt. Aber das muss man sich nicht merken. Guatemala zieht gerade aus. Die Klingel ist bereits abgeschraubt, es hängt nur noch das Kabel der Sprechanlage aus der Wand. Das Telefon ist auch schon abgemeldet. Man kann an die gläserne Eingangstür klopfen.

Es erscheint eine lächelnde Botschaftsmitarbeiterin.

»Im Moment ist niemand da«, sagt sie. »Aber am 16. macht ja die neue Botschaft auf. In Jerusalem.«

Sie bittet, eine Telefonnummer zu hinterlassen. Dann werde die Botschafterin sofort zurückrufen. Es ist das sechste Mal in den vergangenen zwei Wochen, dass jemand in der Botschaft meine Telefonnummer aufschreibt. Allein zweimal hat sich der Konsul Guatemalas die Nummer notiert. Aber es ruft natürlich niemand zurück. Sie haben schon eine Ahnung, in welch brisanter Situation sich Guatemala gerade befindet. Sie stehen im Auge eines diplomatischen Weltensturms.

»Wir sehen uns dann in Jerusalem«, sagt die Frau und läuft rückwärts weg, als verlasse sie eine Bühne.

Es fällt ein bisschen buntes Licht aus einem großen Aquarium der Firma Red Sea auf den Flur. Es riecht nach Essen und Toiletten. Durch die Glastür sieht man ein großes Foto des Präsidenten Guatemalas, Jimmy Morales, die Staatsflagge und ein dickes, aufgeschlagenes Gästebuch. Zwei leere Seiten. Wenn man hier fünf Minuten steht, fühlt man die Weltfremdheit, mit der US-…

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Nr. 20/2018