Lesezeit 8 Min
Gesellschaft

Alles außer Leben

Wie wollen wir künftig wohnen? So wie in der Hamburger HafenCity – lieber nicht.

JOHANNES ARLT / DER SPIEGEL
von
Juan Moreno
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Gesellschaft

Die Hamburger HafenCity, das "größte innerstädtische Stadtentwicklungsprojekt Europas", habe nun eine Seele bekommen, so hieß es vor einer Weile. Eigentlich wurde bloß ein Park feierlich eröffnet, mehr ein geräumiger Grünstreifen, der zwar Lohsepark heißt, den man laut Stadtplanern aber ernsthaft "Central Park" nennen soll.

Für Süd- oder Ostdeutsche sei erwähnt: Die HafenCity ist ein Neubau-Utopia mit Elbblick, unweit des Hauptbahnhofs, 220 Fußballfelder groß. Viel Glas, viel Sichtbeton. Seit 15 Jahren wird gebaut, 2025 soll sie fertig sein. Dann wird ein Häusermeer stehen, wo früher Hafen war. 7000 Wohnungen, Büros für 35000 Menschen, ein paar mittelhohe Hochhäuser, in einem wohnt auch der SPIEGEL, Kino, Uni, Schulen, eine 800-Millionen-Euro-Philharmonie, die als neues Hamburger Wahrzeichen bestellt worden war, und, dank eines französischen Immobilienriesen, der sich einer unvermittelbaren Baulücke annahm, bald so viel Shoppingfläche, wie kein Mensch braucht und kein Planer wollte.

Hamburgs Innenstadt wird aufgepumpt wie ein Kinderballon. Am Ende wird sie um fast die Hälfte gewachsen sein, ihre Einwohnerzahl wird sich verdoppelt haben. Olaf Scholz, der Bürgermeister, versprach vor der Wahl Wohnungen. Ein Ehrenmann. Hielt Wort. Er sagte nicht, wie die aussehen würden.

In Wahrheit geht es in der HafenCity auch um den großen deutschen Häuserkampf. Viele deutsche Großstädte wachsen, werden enger und teurer. Viel teurer. Die Landflucht und die…

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Nr. 41/2016