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Wirtschaft

Abschied vom „Immer mehr“

Was tun, wenn das Wachstum schwindet? Der Forscher Reiner Klingholz warnt davor, dass eine stagnierende Wirtschaft das Sozialsystemsprengen wird – und den Staat unvorbereitet trifft.

HERMANN BREDEHORST / DER SPIEGEL
von
Susanne Amann
und
Alexander Jung
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Wirtschaft

Klingholz gehört der Babyboomer-Generation an, über die er selbst forscht: Geboren 1953 in Ludwigshafen, nähert er sich dem Rentenalter. Wie sich die Altersversorgung und das Sozialsystem finanzieren lassen, wenn das Wirtschaftswachstum schwindet, ist eine zentrale Frage, mit der sich Klingholz und sein Team beschäftigen, dazu haben sie gerade eine neue Studie vorgelegt. Seit 2003 leitet Klingholz das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, einen einflussreichen Thinktank in der Hauptstadt.

SPIEGEL: Herr Klingholz, Sie sagen, dass die Zeit der hohen Wachstumsraten vorbei sei. Wäre das so schlimm?

Klingholz: Unser gesamtes System ist darauf angelegt, dass die Wirtschaft wächst. Nur so können wir die Sozialkassen, den Ausbau der Infrastruktur und die Schulden finanzieren. Solange die Wirtschaft wächst und die Steuern fließen, stören uns die steigenden Ausgaben dafür nicht weiter. Wenn das Wachstum aber schwindet, gerät unser Wohlstand in Gefahr. Dann verschärfen sich die Verteilungskämpfe.

SPIEGEL: Schon in den Siebzigerjahren warnten Wissenschaftler vor dem Ende des Wachstums. Warum soll es jetzt, mehr als 40 Jahre später, so weit sein?

Klingholz: Diese alten Warnungen waren ökologisch begründet und wurden nicht wirklich erhört. Was wir jetzt erleben, ist ein strukturell bedingter Rückgang, der seit Langem andauert. Seit…

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Nr. 44/2017