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Politik

„Abhängigkeit ist gefährlich“

Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz über den Erfolg der Rechtspopulisten bei der Präsidentenwahl und seine Kritik am EU-Flüchtlingsabkommen mit der Türkei

LUKAS BECK / DER SPIEGEL
von
Mathieu von Rohr
und
Walter Mayr
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Politik

Kurz, 29, ist seit zweieinhalb Jahren Außenminister Österreichs – und der jüngste Außenminister der Welt. Davor war er schon fast drei Jahre lang Staatssekretär. Kurz hat für die Politik sein Jurastudium abgebrochen, seitdem er im neuen Amt ist, erfährt die Wiener Außenpolitik in Europa deutlich mehr Beachtung. In der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) gilt er als Hoffnungsträger. Im Büro des Ministers am Wiener Minoritenplatz steht ein hochfahrbarer Schreibtisch, an der Wand hängt eine zu einem Kunstwerk verarbeitete Europakarte. Kurz trägt wie immer einen taillierten Anzug, die Haare sind nach hinten gegelt.

SPIEGEL: Herr Außenminister, die ganze Welt hat diese Woche auf Österreich geschaut. Das ist eher ungewöhnlich. Wie fühlt sich das an?

Kurz: Das kommt auf den Anlass an. Wir sind nicht immer ganz glücklich darüber, wie wir dargestellt werden.

SPIEGEL: Fast 50 Prozent aller Wahlberechtigten stimmten für Norbert Hofer, den Präsidentschaftskandidaten der rechtspopulistischen FPÖ. Für viele in Europa war das ein Schock. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Kurz: Ja, und die ist nicht so einfach wie das, was manchmal erzählt wird. Es gibt, erstens, eine starke Unzufriedenheit mit der Regierung und dem politischen System, auch weil wichtige Reformen ausbleiben. Der zweite, der Hauptgrund ist die Flüchtlingskrise. Wir hatten in Österreich im vergangenen Jahr 90 000 Asylbewerber – die zweithöchste Zahl pro Kopf der Bevölkerung unter allen europäischen Ländern. Es gab eine Phase des unkontrollierten Zustroms…

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Nr. 22/2016