Lesezeit 15 Min
Wirtschaft

Zulassenkönnen von Unplanbarkeit

"Agilität ist keine Methode, sondern eine Haltung" - ein Gespräch mit Svenja Hofert

SVENJA HOFERT
von
Winfried Kretschmer
Lesezeit 15 Min
Wirtschaft

Agil ist das neue Zauberwort im Management. Alle wollen agil sein. Respektive es schnellstens werden. Doch damit beginnen die Missverständnisse. Denn agil ist nichts wie "Management by". Sondern ein vielschichtiges Konzept. Zunächst hat jedes Unternehmen bereits einen gewissen Grad an Agilität. Sonst wäre es nicht mehr am Markt. Agil heißt also, genau hinschauen. Und, wichtiger noch: Agil ist kein Zustand, sondern eine Haltung. Keine Methode, sondern ein Prozess. Und ein Experiment. Grundvoraussetzung: Unplanbarkeit und Widersprüche zulassen zu können.

Svenja Hofert

ist Unternehmerin, Karriereberaterin und Buchautorin. Sie hat mehr als 30 Sachbücher veröffentlicht. Ihr neues Buch Agiler führen ist bei Springer Gabler erschienen.

Frau Hofert, Sie kritisieren, Agilität werde oft einseitig auf wenige Aspekte reduziert. Was genau beobachten Sie?

Alles, was neu ist und im Trend liegt, wird eingedampft und gnadenlos simplifiziert. Das hat auch mit dem akademischen Hintergrund der Beteiligten zu tun. Diejenigen, die sich intensiv mit Agilität beschäftigen, sind meist eher Naturwissenschaftler und Informatiker; sie haben gelernt, komplexer zu denken. Die strategischen Entscheidungen treffen aber in aller Regel Betriebswirtschaftler. Diese erwarten einfache, praktikable, umsetzbare Modelle. Und sie neigen dazu, einzelne Tools und Ansätze in das vorhandene System reinzuwursteln. Das passiert nun auch bei agilem Management und agilen Projektmanagementmethoden wie Scrum. Katastrophen sind da mehr als wahrscheinlich.

Inwiefern Katastrophen?

Etwas wird eingeführt, ohne hinzuschauen: Was ist denn das für ein Unternehmen? Welche Themen spielen dort eine Rolle? Stattdessen wird ein Modell übergestülpt, doch das Unternehmen ist noch gar nicht…

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24.10.2016