Lesezeit 21 Min
Wirtschaft

Eine andere Form der Zusammenarbeit

"Wir stehen vor einem großen Sprung in eine neue organisatorische Gestaltung unserer großen Organisationen" - ein Gespräch mit Uwe Raschke

changeX
von
Winfried Kretschmer
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Wirtschaft

Es sind nicht mehr nur ein paar kleine Unternehmen, in denen neue Formen der Organisation erprobt werden. Der organisationale Wandel ist in den großen Unternehmen angekommen. Zum Beispiel bei Bosch Power Tools, weltweit agierender Anbieter von Elektrowerkzeugen, Messtechnik und Gartengeräten. Die funktional gegliederte Großorganisation wurde in zehn kleinere Einheiten zerlegt, Design Thinking hielt Einzug, ebenso ein neues Verständnis von Motivation. Und es startete ein Experiment mit einer neuen Form der Organisation – eine Geschäftseinheit wurde komplett umgebaut: weniger Hierarchie, crossfunktionale Teams, eine neue Arbeitsumgebung. Das Ziel: eine neue Form der Zusammenarbeit. Die innovative Ideen sprudeln lässt. Und den Nutzer in den Mittelpunkt der Entwicklungsarbeit rückt. Folge 22 unserer Serie über Unternehmen, die Grundlegendes anders machen.

"Für uns war früher die Anzahl der Auspuffrohre unserer Dienstwagen wichtig. Ziel war es, ein möglichst großes Büro zu bekommen, und wir haben Informationen erst einmal für uns behalten, weil sie Macht bedeutet haben." Natürlich ist das stark zugespitzt und nicht für alle zutreffend, sagt Uwe Raschke, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, aber es hat einen Kern an Wahrheit. Heute aber geht es um etwas anderes: um eine andere Form der Zusammenarbeit. Und die erfordert eine neue Form der Unternehmensorganisation. 

Uwe Raschke ist seit Juli 2008 Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. In dieser Funktion verantwortet er den Unternehmensbereich Consumer Goods mit den Geschäftsbereichen Power Tools und der BSH Hausgeräte GmbH. In unserem Interview berichtet er über die Transformation des Geschäftsbereichs Power Tools mit circa 20.000 Mitarbeitern, den Komplettumbau einer Geschäftseinheit mit circa 2000 Beschäftigten eingeschlossen.

Herr Raschke, wenn Sie zurückschauen auf die Transformation bei Bosch Power Tools - was hat diesen Veränderungsprozess in Gang gebracht? 

Veränderungen im Umfeld. Erstens hat die Digitalisierung das Verhalten unserer Kunden verändert. Es ist eine neue Transparenz entstanden, die dazu geführt hat, dass wir unsere Marketingstrategien überdenken mussten. Zweitens stellt uns die demografische Entwicklung in Europa vor die Herausforderung, dass unsere Kunden älter und weniger werden; damit verliert ein natürlicher Wachstumsfaktor an Wirkung. Nicht zuletzt macht uns ein ganz profaner volkswirtschaftlicher Zusammenhang zu schaffen: Die starke Aufwertung des US-Dollars, denn wir beziehen sehr viele Materialien, insbesondere Elektronik, im Dollar-Raum. Wir mussten überlegen, wie wir mit diesen drei zentralen Veränderungen mittel- und langfristig umgehen.

Dieser Wandel hat Ihre langfristige strategische Planung konterkariert? In welchen Planungszeiträumen bewegte sich diese Planung? 

Die Planungszeiträume liegen im…

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19.09.2017