Lesezeit 15 Min
Wirtschaft

Die Sache mit der Arbeitsfreude

"Gefühlsarbeit": gute Gefühle als Unternehmensstrategie - ein Gespräch mit der Historikerin Sabine Donauer

KÖRBER-STIFTUNG / DAVID AUSSERHOFER
von
Winfried Kretschmer
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Wirtschaft

Was für ein Wandel: Jahrtausendelang war Arbeit Fron, Last und Mühe, schiere Plackerei, ein notwendiges Übel, um den Lebensunterhalt zu sichern. Heute hingegen erscheint Arbeit als etwas, das Spaß machen, Sinn geben und Erfüllung stiften kann, ja soll. Eine historische Errungenschaft? Eine junge Historikerin warnt: Schaut man auf die Unternehmen, ist Arbeitsfreude vor allem Ergebnis strategischen Bemühens der Wirtschaft: Ergebnis systematischer Gefühlsarbeit.

Arbeitsfreude ist Ergebnis systematischer Gefühlsarbeit der Unternehmen. Die These von Sabine Donauer. Sie hat sich damit beschäftigt, wie Unternehmen den Wandel zu einem mit positiven Gefühlen aufgeladenen Arbeitsbegriff vorangetrieben haben.

Zur Person

Sabine Donauer studierte Europäische Kulturgeschichte in Augsburg, Leiden, Paris und Oxford sowie Higher Education in Harvard. Für ihre Promotion wurde sie mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung ausgezeichnet. In Buchform ist die Arbeit unter dem Titel Faktor Freude in der edition Körber-Stiftung erschienen.

Frau Donauer, frappierend an der Geschichte der Arbeit ist der tief greifende Bedeutungswandel, den die Arbeit binnen eineinhalb Jahrhunderten durchlaufen hat: von Fron, Last, Mühe hin zu einer Tätigkeit, die Freude stiftet, Sinn vermittelt und der Selbstverwirklichung dient oder das zumindest tun soll. Dies wird gerne als historische Errungenschaft beschrieben, als Entdeckung der Freude an der Arbeit. Sie sagen nun, hinter dieser Entwicklung stehe eine Strategie der Wirtschaft. Wie das?

Unternehmen haben vor über 100 Jahren erkannt, dass das Innenleben ihrer Mitarbeiter auch eine Ressource ist, mit der sie wirtschaften können. Statt zu ignorieren, wie sich der Angestellte bei der Arbeit fühlt, ist es wirtschaftlich…

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18.03.2016