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Gesellschaft

Zwischen Berlin und Teheran

Die iranische Exilgemeinde blickt in diesen Tagen auf ihr Heimatland. Alle sind in Sorge. Und jeder, der zu ihr gehört, versucht auf seine Weise, den Protest dort zu unterstützen – mit Texten, Karikaturen, Zuwendung

BERLINER ZEITUNG / GERD ENGELSMANN
von
Susanne Lenz
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Gesellschaft

Berlin. Es ist ganz leicht in diesen Tagen, Iraner in der Stadt zu finden, die mit einem über die Lage in ihrer alten Heimat zu sprechen bereit sind. "Kommen Sie, kommen Sie", sagt Abbas Maroufi am Telefon. Es ist mehr als zwanzig Jahre her, dass er aus dem Iran ins deutsche Exil geflohen ist, aber es ist ihm wichtig, sich zu dem zu äußern, was dort gerade geschieht. "Mein Fenster steht immer offen", sagt er.

Die Kunde, die derzeit durch dieses Fenster zu ihm gelangt, ist schrecklich. An diesem Morgen hat ihn die Nachricht vom Tod eines Studenten erreicht. Ein 22-Jähriger, der erst vor ein paar Tagen inhaftiert worden war. "Sie sagen, er habe im Gefängnis Selbstmord begangen", sagt Abbas Maroufi. "Das ist eine Lüge." Beweise hat er nicht. Aber er hat seine Erfahrung. 2009, sagt er, hätten sie auch viele Demonstranten im Gefängnis getötet. Damals, kurz nach den Präsidentschaftswahlen, ging schon einmal eine Protestwelle durch das Land. Und seit Dezember gehen im Iran wieder Menschen auf die Straße, demonstrieren für bessere Lebensbedingungen und für Freiheit. "Brot, Arbeit, Freiheit" lautet eine ihrer Parolen.

Verbotene Bücher

Es gibt wohl keinen Ort in Berlin, an dem der Iran so gegenwärtig ist, wie in Abbas Maroufis "Haus der Kunst und Literatur" am westlichen Ende der Kantstraße. "Hedayat" sei die größte Buchhandlung für persische Literatur in der Welt außerhalb des Irans, sagt Maroufi, er klingt stolz. Er hat sie nach…

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11.01.2018