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Verbrechen

Woran erkennt man schon einen Mörder?

Nett, hilfsbereit und unauffällig, so hat Silvio S. auf seine Nachbarn im brandenburgischen Kaltenborn gewirkt. Harmlos sieht er aus, doch er hat zwei kleine Jungen entführt, sexuell missbraucht und umgebracht. Ihm droht lebenslange Haft

Gajus / shutterstock.com
von
Katrin Bischoff
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Verbrechen

POTSDAM. Die kurzen, struppigen und schon ein wenig angegrauten Haare des Mannes wirken immer etwas ungekämmt. Mal wird Silvio S. im Kapuzenshirt, mal in einem mausgrauen T-Shirt in den Saal 8 des Landgerichts Potsdam geführt. Jedes Mal trägt er dieselben Jeans. Silvio S. zeigt, dass er keinen Wert auf seine Kleidung legt. Am Beginn jedes Verhandlungstages hat der 33-Jährige sein Gesicht hinter einem Aktendeckel versteckt. Erst, wenn jeder Fotograf den bis auf den letzten Zuschauerplatz besetzten Saal verlassen und Silvio S. den Aktendeckel auf den Tisch vor sich gelegt hat, kommt ein schmales Gesicht zum Vorschein, auf dem ein feines, scheinbar spöttisches Lächeln die Lippen umspielt, der Blick sich aber bald verlegen senkt.

Silvio S. wirkt im ersten Moment nicht unsympathisch. Die Zuschauer haben das zu Beginn des Prozesses, als der Angeklagte erstmals in Handschellen den Saal betrat, verwundert und vielleicht auch verstört zur Kenntnis genommen. Es wurde getuschelt, sich dann darauf geeinigt, dass Silvio S. eher zu einem klapprigen Fahrrad, zu Bioläden und Kreuzberg passen würde als auf diese Anklagebank. So harmlos sah er aus.

Aber woran erkennt man schon einen Mörder? Woran einen Menschen, der am Dienstag mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Entführung, den schweren sexuellen Missbrauch und den Tod des sechsjährigen Elias aus Potsdam und des vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt wird? Selbst seine…

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26.07.2016