Lesezeit 10 Min
Politik

Weiblich, ostdeutsch

Der Wahlsonntag hat es gezeigt: Die Frauen aus dem Osten sind an der politischen Spitze des wiedervereinigten Landes angekommen. Was verbindet Angela Merkel, Manuela Schwesig, Katja Kipping, Frauke Petry, Katrin Göring-Eckardt und all die anderen?

By Christoph Braun (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons
von
Anja Reich
Lesezeit 10 Min
Politik

Als am Wahlabend die Spitzenkandidaten der Parteien zur Berliner Runde zusammenkamen, war einiges anders als sonst: Es gab so viele Teilnehmer wie noch nie, alle waren ziemlich bunt gekleidet, das erste Mal war ein Politiker einer rechtsnationalen Partei dabei, und Martin Schulz war so wütend, dass man denken konnte, er fange noch einmal mit dem Wahlkampf an.

Die Berliner Runde, auch Elefantenrunde genannt, ist eine Instanz im bundesdeutschen Fernsehen. Die Wahllokale haben gerade geschlossen, die Stimmen werden noch ausgezählt, aber die Hochrechnungen sind bereits da, und die Spitzenkandidaten treffen sich, besprechen, was schiefgelaufen ist, wie es weitergeht, wer mit wem koaliert, hauen sich die Köpfe ein. Seit 1969 ist das so. Die Quote ist in der Regel hoch, die Einschaltquote. In diesem Jahr gab es noch eine andere Quote, die höher war als sonst, zwei Quoten, um genau zu sein. Denn das erste Mal in der Geschichte der Sendung waren fast genauso viele Frauen wie Männer als Gäste geladen. Und alle diese Frauen kamen aus dem Osten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel thronte in der Mitte, Katja Kipping von den Linken war ans linke Ende gequetscht worden, Katrin Göring-Eckardt von den Grünen ans rechte. Man sah die beiden meist nur von der Seite und manchmal gar nicht. Aber das war nicht so wichtig, denn egal, wohin man in dieser Nacht schaltete, welche Sendung man schaute, überall tauchten ostdeutsche Frauen auf, nicht nur Merkel und Kipping und Göring-…

Jetzt weiterlesen für 0,48 €
27.09.2017