Lesezeit 14 Min
Kultur

Was man nicht kaufen kann

Chris Dercon hat nicht nur die Intendanz der Volksbühne übernommen, sondern auch mehr als 200 Mitarbeiter. Doch weil im Spielplan kaum noch Eigenproduktionen stehen, haben viele von ihnen zu wenig zu tun – und stellen sich die Frage: Was wird die Volksbühne in Zukunft sein?

BERLINER ZEITUNG / PAULUS PONIZAK
von
Petra Ahne
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Kultur

Noch geht es. Noch haben sie so viel zu tun, dass zum Nachdenken sowieso keine Zeit ist. Bald ist Premiere, dann muss alles fertig sein: die grünen Hügel, die Wiesen, der Teich, die Sänften. Eine realistisch anmutende Szenerie wünschte sich der Regisseur als Bühnenbild. Pastoral und idyllisch, so wie man es liebte im Rokoko, der Zeit, zu der das Stück spielt. Laufen die Schauspieler über den Boden, sollen sie ein wenig einsinken. Wie auf einer richtigen Wiese.

In den Werkstätten an der Thulestraße in Pankow kamen Mappen mit Fotos an: Sänften aus dem 18. Jahrhundert, Festsäle in Barockschlössern, kleine blaue Seen, umgeben von Wiesen - atmosphärische Bilder, um zu zeigen, was sich Regisseur und Bühnenbildner vorstellen. Die Ausstattungsabteilung schickte ein Modell in Spielzeugeisenbahngröße, so sollte das Bühnenbild des Stücks "Liberté" aussehen.

Die Tischler, Theaterplastiker, Maler und Dekorateure begannen zu experimentieren, jeder Raum der Volksbühnen-Werkstätten wurde zu einem Labor. In der Tischlerei probierten sie Holzplatten für die Sänften aus, möglichst leicht mussten die werden, damit man sie auch mit Schauspielern darin tragen kann. Kiloweise Holzspäne wurden organisiert und grün gefärbt, um zu testen, ob sie einen guten Rasen abgeben. Die Bildhauer besorgten Styropor, für die Hügel. Die Theaterplastiker tränkten dicke Filzbahnen mit Leim und legten Tuch darüber, für den weichen Boden.

Frank Mittmann, der Leiter der Werkstätten, sieht zu, wie eine der Theaterplastikerinnen Kunststoffschalen dick mit Watte umwickelt, dann in Plastikfolie packt und jedes Stück einzeln behutsam unter eine täuschend echt wie Moos aussehende Oberfläche steckt. Für die kleinen Unebenheiten im Boden, die dem Regisseur wichtig sind. Weiter hinten im Raum sägt eine Kollegin einen riesigen Styroporblock zu einem Hügel, und von unten, aus der Tischlerei, zieht der Geruch von frisch…

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17.02.2018