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Kultur

Was ist so lustig an Neo-Nazis?

Der Regisseur Dietrich Brüggemann über deutsche Idiotien und seine Filmsatire "Heil"

von Paul Katzenberger (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
von
Anke Westphal
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Kultur

Im fiktiven Prittwitz haben Neo-Nazis das Sagen. Hierhin gerät der afrodeutsche Autor Sebastian, der nach einem Schlag auf den Kopf wie ein Papagei die Parolen rechter Schläger nachplappert. Deren Anführer Sven führt ihn in Talkshows vor und will zudem in Polen einfallen. - "Heil" heißt der Film von Dietrich Brüggemann. Wir treffen den Filmregisseur im Café Wau am HAU, doch im Inneren prangt der Schriftzug "Miau". Verwirrend.

Herr Brüggemann, Ihr neuer Film "Heil" parodiert die rechte Szene. Was ist so lustig an Neo-Nazis?

Eigentlich nichts. Lustig ist immer, wenn Leute ihrer eigenen Idiotie folgen, und der Zuschauer denkt: Um Gottes willen, das könnte ja ich sein! Lustig ist also das Zusammenfallen von Identifikation und Entsetzen. Das ist der Kern von Komödie. Es gibt unglaublich viele Drehbuchlehrbücher; mein liebstes heißt "The Comic Toolbox". Darin wird Komik als "Thruth and Pain" definiert, also Wahrheit und Schmerz. Das sind andere Worte für Identifikation und Entsetzen.

Dann lacht man in Ihrem Film also über den Nazi in sich?

Vielleicht auch das, wenn man einen in sich hat.

Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee zu "Heil"?

Ich lese Zeitung. Natürlich war der NSU-Komplex ein Auslöser, als der 2011 aufflog. Parallel dazu kam damals der Film "Kriegerin" von David Wnendt in die Kinos. Die Absurdität dessen, was da passiert war, hat…

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16.07.2015