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Kultur

Was ist schön am schönen Gesang?

Bernd Loebe ist Chef der Oper Frankfurt am Main. Die ist seitdem immer wieder zur "Oper des Jahres" gewählt worden. Loebe sitzt in vielen Jurys, die die Qualität von Sängern beurteilen. Wer, wenn nicht er, weiß eine Antwort auf unsere Frage

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von
Arno Widmann
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Intendant Bernd Loebe sitzt in seinem großen Büro mit den riesigen Fenstern auf einem Sofa, auf dem wohl ein halbes Dutzend Männer seines Formats Platz finden würden. Loebe hat gerade eine junge Sängerin aus den USA durch die Frankfurter Oper geführt. Er hatte sie an einer Musikhochschule entdeckt und möchte sie verführen, Mitglied des Ensembles seines Hauses zu werden. Wäre ich er, ich würde mich als gravierenden Störfaktor betrachten. Loebe lässt sich nichts dergleichen anmerken. Ich befrage ihn heute mal nicht nach Opernpolitik, nach Etats, auch nicht nach Spielplänen oder gar einzelnen Inszenierungen. Ich frage ihn: Was ist schön am schönen Gesang?

In der Oper Frankfurt ist "Julius Caesar in Ägypten" zu sehen.

Eine sehr schöne Inszenierung.

Die Titelpartie schrieb Georg Friedrich Händel 1723 für einen Kastraten. Deren Gesang ist eine uns völlig verloren gegangene Schönheit.

In den Opernhäusern gibt es heute - Gott sei Dank! - keine Kastraten mehr. Die Titelpartie singt bei uns der Countertenor Andreas Scholl

Sie haben sich die Schönheit des Countergesangs erst erschließen müssen?

Alfred Deller - der Vater aller Countertenöre - hatte 1948 seinen ersten Soloauftritt. Das ist jetzt fast siebzig Jahre her. Der Reiz des Sensationell-Neuen ist vorbei. Barock-Opern werden heute von Countertenören gesungen. Countertenöre gehören zur…

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19.03.2016