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Politik

Vom Mut und vom Lebensmut

In den Wochen vor einem Wahltag lüpft die Kanzlerin gern hier und da die Maske und zeigt den Menschen Angela Merkel. Mit einem Besuch der Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen erinnert sie jetzt daran, dass sie viele Jahre ihres Lebens DDR-Bürgerin war

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von
Holger Schmale
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Politik

Der offizielle Kalender von Angela Merkel zeigt für den August noch kaum einen Termin. Schön wär's, denkt sich die Kanzlerin wahrscheinlich. Sie hatte sich drei Wochen frei genommen, war wie in jedem der vergangenen paar Jahre mit ihrem Mann zum Opernbesuch in Bayreuth und zum Wandern in Südtirol und ist nun zurück. Am Sonnabend steigt sie mit einer Veranstaltung in Dortmund in die aktive Phase des Wahlkampfes ein. Aber sie kehrt vorher schon in die Öffentlichkeit zurück, am Freitagvormittag in Berlin-Hohenschönhausen. Sie besucht dort nach acht Jahren wieder einmal die Stasi-Gedenkstätte. Offiziell ist das kein Wahlkampftermin.

Aber wer Angela Merkels bisherige Werbekampagnen für das Kanzleramt verfolgt hat, erkennt das Muster. In den Wochen vor dem Wahltag lüpft sie gern hier und da die Kanzlerinnenmaske und zeigt den Menschen die andere Angela Merkel - die Frau, den Familienmenschen, die Urlauberin, die ehemalige DDR-Bürgerin. Lange Zeit hat sie diese Eigenschaften sorgfältig vergessen gemacht. Da ging es ihr darum, die anfangs weit verbreiteten Vorbehalte gegen die Frau aus dem Osten, die Zonenwachtel, wie die westlichen Machomänner in der CDU die neue Konkurrentin unter sich nannten, auszuräumen. Sie trat wie eine fast geschlechtslose ideelle Gesamtdeutsche auf, eine Person ohne besondere Eigenschaften, ohne besondere Herkunft. Das ist lange vorbei, wohl fast jedermann und -frau traut ihr das Amt der Kanzlerin nach zwölf Jahren schließlich zu.

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11.08.2017