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Geschichte

Utopie und Realität der Vegetarier-Kolonie Eden

Bei Gründung 1893 in Berlin war die Obstbausiedlung das erste Lebensreformprojekt seiner Art. Die Pflanzenkost-Pflicht gab sie bald auf

By Doris Antony, Berlin (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
von
Maritta Tkalec
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Geschichte

Das vegetarische Leben baute auf Produkte naturfern gehaltener, arbeitender Tiere: Pferdeäpfel. Hundert Kahnladungen zu je 2800 Zentnern Berliner Straßenkehricht mit seinerzeit hohem Dunggehalt holten die Gründer und ersten Mitglieder der Vegetarischen Obstbau-Kolonie Eden in Oranienburg auf ihre Äcker, um den märkischen Sand fruchtbar für den Anbau von Obst und Gemüse zu machen - naturrein und frisch für die möglichst vollständige Selbstversorgung der Genossenschaftler.

Am Pfingstsonntag, dem 28. Mai 1893, hatten sich 37 Freunde des Vegetarismus und des Genossenschaftsgedankens im vegetarischen Speisehaus "Ceres" in der Paulstraße 1 in Moabit getroffen, um die Gemeinschaft zu gründen. Man diskutierte über Satzung und Pläne für die erträumte Siedlung. Von den Anwesenden erklärten 18 unmittelbar ihren Willen, in der Genossenschaft zu leben und zu arbeiten. Bis Ende August kamen acht Willige hinzu.

Geeignetes Land hatten sie bereits gefunden, nördlich von Berlin, drei Kilometer westlich von Oranienburg. Nur 225 Mark sollte jeder der 160 Morgen Land (40 Hektar) kosten. Der Kauf erfolgte am 12. Juli 1893. Der niedrige Preis spricht für geringe Bodenqualität, und so arbeiteten die tüchtigen Neusiedler in den ersten zehn Jahren Saison um Saison jeweils eine fünf Zentimeter hohe Schicht Stadtmist ein, plus Kalk und Kuhdung.

Revolution ohne Gewalt

Der Erfolg stimmte froh: Im Jahr 1900 standen dort 15 000 Obstbäume und 50 000…

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29.05.2017