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Unseren täglichen Brotfisch gib uns heute

Der Dorschbestand in der Ostsee sei ruiniert, befinden Meeresbiologen und fordern strenge Schonung. Humbug, sagen Klaus und Uwe Pinkis aus Rerik, die seit Jahrzehnten auf Fang gehen. Wer hat recht?

BERNHARD HONNIGFORT
von
Bernhard Honnigfort
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Nein, heute waren sie nicht draußen auf der Ostsee, auch nicht im Salzhaff, gestern auch nicht. Kalter Wind aus Nordwest, Stärke sechs bis sieben, das ist zu viel für die "Nidden", ihr Boot. Klaus Pinkis muss überlegen, wann er und sein Bruder Uwe das letzte Mal draußen zum Fischen waren: "Eine Woche ist das her, ja", sagt er. Uwe Pinkis nickt. "Ja, ich meine, letzten Freitag."

Eine Woche an Land, weil das Wetter nicht mitspielt. Auch nicht tragisch. Klaus Pinkis musste sowieso mal zum Zahnarzt. "Ist ja nicht schlimm", sagt er. Gibt sowieso immer genug zu tun. Holz hacken für den Räucherofen, Netze reparieren, Boot saubermachen, Reusen flicken wegen der Wollhandkrabbe, die sich überall durchfrisst. Die Wollhandkrabbe in der Ostsee, aus Asien eingeschleppt. Da könnte Klaus Pinkis Geschichten erzählen. Tut er aber heute nicht.

Die Brüder Pinkis in Rerik, 2 100 Einwohner, ein Küstenort 35 Kilometer westlich von Rostock. Immer schon Bauern und Fischer, heute Tourismus, Ferienwohnungen - und gerade noch eine Handvoll Fischer. Klaus Pinkis, 50 Jahre alt, gelernter Fischer, ist einer davon, sein Bruder Uwe, 53, gelernter Bootsbauer, der andere. Stämmige Kerle, meistens gut gelaunt, blaue Arbeitskleidung. 250 Jahre Fischereitradition in der Familie, erzählt Klaus Pinkis. Mütterlicherseits. Väterlicherseits, er kam aus Ostpreußen, gehe das noch viel weiter zurück, 700, vielleicht 800 Jahre.

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03.01.2017