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Kultur

Ungetrübte Augenblicke im Schlamassel

In seinem Buch bestaunt und bewundert der Orientalist Navid Kermani die Kunst des Christentums

© Raimond Spekking / , via Wikimedia Commons
von
Joachim Frank
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Kultur

Navid Kermani hat Croissants zum Frühstück mitgebracht. Wir sind in seinem Büro verabredet, das nur einen Steinwurf von der Wohnung seiner Familie entfernt liegt, mitten im Eigelsteinviertel, dem multikulturellsten Quartier Kölns. Zum Schreiben zieht er sich hierhin zurück, eine atmosphärische Trennung zwischen Beruf und Privatleben. Das Ordnungsprinzip im Bücherregal hinter ihm ist das Gegenteil von Trennung: Der Koran neben der Bibel, islamische Gelehrten neben christlichen Theologen und – diverse Wörterbücher. Das zeigt, was ihm auch in seinem neuen Buch wichtig ist: Religion und Sprache – so kunstvoll und sorgfältig eingesetzt, wie nur möglich.

Herr Kermani, Ihr neues Buch, eine Sammlung von Bildbeschreibungen, spricht von Ihrem "ungläubigen Staunen" über das Christentum. Steht Ihre Konversion bevor?

(Kermani überlegt.) Meines Wissens nicht.

Das hat aber lang gedauert.

(Er lacht.) Ich habe versucht, eine möglichst originelle Antwort zu finden. Leider fiel mir keine ein.

Eine ehrliche Antwort reicht schon. Ihre Sympathie für die christliche Tradition und Ihr Bemühen, die Botschaft des Christentums zu verstehen, sind offenkundig. So etwas stand nicht selten am Anfang von Bekehrungsgeschichten.

Ich erlebe es eher so, dass die Entdeckung des Reichtums einer anderen Religion für den Reichtum der eigenen sensibilisiert. Man muss das…

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24.08.2015