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Kultur

Tagebuch und Zettelwirtschaft

Wortspiele, Assonanzen, Musik und Bedeutung - muss der Übersetzer alles erkennen und hinüberretten in die andere Sprache? Wie macht er das? Ein Expertengespräch

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von
Arno Widmann
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Ein Gespräch über das Übersetzen. Claire de Oliveira, geboren 1961, hat gerade eine französische Neuübersetzung von Thomas Manns Roman "Der Zauberberg" (Fayard) vorgelegt. Bernd-Jürgen Fischer, geboren 1943, hat seine Neuübersetzung von Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" (Reclam Verlag) mit Band 7 beendet. Claire de Oliveira hat unter anderen schon Ingeborg Bachmann, Elias Canetti, Elfriede Jelinek, Brigitte Kronauer, Herta Müller, Joseph Roth und Botho Strauss übersetzt. Der studierte Linguist und Informatiker Bernd-Jürgen Fischer ist bisher vor allem mit einem 893 Seiten umfassenden Handbuch zu Thomas Manns Josephsromanen bekannt geworden. Die beiden Übersetzer sitzen sich jetzt am Konferenztisch im Verlagshaus am Berliner Alexanderplatz gegenüber. Arno Widmann ist dabei, zeichnet das Gespräch auf und stellt ab und zu eine Frage.

Herr Fischer, haben Sie freiwillig mit dem Übersetzen von Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" begonnen, oder kam der Verlag auf Sie zu?

Fischer: Ich habe Proust (1871-1922) übersetzt aus reiner Lust und Liebe zur "Suche nach der verlorenen Zeit". Ich war so begeistert bei der Arbeit, dass ich nicht mehr damit aufhören konnte. Als ich nach zehn Jahren fertig war, meinte meine Frau: Jetzt musst du dich mal um einen Verlag kümmern.

Und bei Ihnen, Frau de Oliveira?

de Oliveira: Ein bisschen…

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19.11.2016