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Politik

Tage des Strafens

Seit dem Putschversuch vor einem Jahr sitzen 2 584 türkische Richter und Staatsanwälte in den Gefängnissen ihres eigenen Landes. Drei Frauen erzählen vom Schicksal ihrer unschuldig inhaftierten Männer

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von
Frank Nordhausen
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ISTANBUL. Wenn die Muezzine aller 90 000 Moscheen der Türkei an diesem Sonnabend das Totengebet Sala für die Opfer des gescheiterten Militärputsches vor einem Jahr anstimmen, dann werden drei Frauen in Istanbul den Klagegesang kaum ertragen können. Ayse, Hatice und Dilek werden traurig an jenen 15. Juli 2016 denken, der nicht nur das Land tief erschütterte, sondern ihr Leben und das ihrer Familien zerstörte. "Unsere Ehemänner sind nicht tot", sagt Ayse, "aber es ist, als seien sie seit dem Putschversuch lebendig begraben. Meine Kinder weinen jedes Mal, wenn sie an ihren Vater denken, der völlig unschuldig im Gefängnis sitzt."

Vor acht Monaten nahmen die Frauen Kontakt zu dieser Zeitung auf, weil sie Hilfe suchten. Türkische Medien schreiben zwar über verhaftete Journalisten, doch fast nie über inhaftierte Richter und Staatsanwälte, weil diese keine Lobby haben. Auch deshalb haben die Frauen lange gezögert, ihr Schicksal publik zu machen. Sie haben Angst. Deshalb werden ihre echten Namen hier nicht genannt.

"Wie uns geht es Tausenden in der Türkei", sagt Ayse, die ein schlicht-elegantes Kleid trägt. "Wir wollen unsere Stimme für die erheben, die dasselbe durchmachen wie wir. Denn wo ist die Gerechtigkeit in unserem Land?"

Im Hochsicherheitstrakt

Das Schicksal hat Ayse, Hatice und Dilek zusammengeführt, drei Mütter aus Istanbul zwischen dreißig und vierzig Jahren, die sich jede Woche beim Besuchstag im…

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15.07.2017