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Symbiose zu dritt

Nach fast 150 Jahren Flechtenforschung haben Wissenschaftler in diesen Lebensgemeinschaften einen ganz neuen Partner entdeckt

Kristo Robert / shutterstock.com
von
Kerstin Viering
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Flechten haben so viel zu erzählen", schwärmt Toby Spribille. Das ahnt er schon seit seiner Kindheit. Der Biologe, der an der Universität Graz und an der University of Montana in den USA arbeitet, ist in den Wäldern der Rocky Mountains aufgewachsen. In diesen naturnahen Ökosystemen mit ihrer sauberen Luft gibt es zahlreiche Flechten: Krusten an den Baumstämmen, Bärte, die von Ästen baumeln, winzige Becher und fein verzweigte Büschel - filigrane Kunstwerke, wohin man schaut.

Diese Vielfalt hat den Forscher schon immer fasziniert, seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich wissenschaftlich damit. Am Flechtenbewuchs kann er erkennen, welche Baumstämme die beliebtesten Eichhörnchen-Autobahnen sind und wo die Birkhühner ihren Balztanz abhalten. "Mit ihrem Kot und Urin ziehen die Tiere stickstoffreiche Spuren durch den Wald", erläutert der Forscher. "Und dort siedeln sich dann spezielle Arten an." Die Flechten verraten ihm auch, auf welchen Böden ein Wald wächst. Oder was die Aktivitäten des Menschen anrichten. Und erst kürzlich haben sie ihm ein lange gehütetes Geheimnis über sich selbst anvertraut. Seither müssen Biologen noch einmal ganz neu über die Natur dieser Lebewesen nachdenken.

Schon 1867 hatte der Schweizer Botaniker Simon Schwendener erkannt, dass Flechten keine Einzelkämpfer sind, sondern Lebensgemeinschaften. Meist tut sich dabei ein Schlauchpilz mit einer Alge oder einem Cyanobakterium zusammen. Oft auch mit beiden. Letztere produzieren per…

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23.09.2016