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Gesellschaft

Stricken montags, Impfen dienstags

Seit fünf Monaten wohnen in Berlin-Köpenick Flüchtlinge in einem Containerdorf zusammen. Wie sieht der Alltag dort aus? Ein Besuch

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von
Julia Haak
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Gesellschaft

BERLIN. Um kurz nach acht hält ein Mannschaftswagen der Polizei vor dem Köpenicker Containerdorf. Die Beamten holen einen Mann aus Eritrea ab, der seit Februar hier wohnt. Er kann noch ein paar Sachen einpacken. Dann fahren die Polizisten mit ihm davon.

Als alles vorbei ist, setzt sich Heimleiter Peter Hermanns auf eine Bank und zündet sich eine Zigarette an. „Der Mann ist suizidgefährdet. Er sollte heute ins Krankenhaus kommen“, sagt er. Hermanns Mitarbeiter haben den Polizisten ein ärztliches Gutachten gezeigt. Die Beamten zeigten einen Abschiebebefehl, weil der Mann in Italien einen Asylantrag gestellt hatte. Der Abschiebebefehl zählte mehr. Hermann nimmt einen tiefen Zug aus seiner Zigarette. Es ist früher Vormittag, und der Heimleiter sieht bereits erschöpft aus.

Seit fünf Monaten gibt es das Containerdorf in Berlin-Köpenick. Innerhalb von sechs Wochen wurden hier am Rand der Wohnsiedlung Allende II Bäume gerodet, das Terrain planiert und Container zu zwei Behelfsbauten zusammengefügt. Dann zogen die Flüchtlinge ein. Am Anfang gab es aufgeregte Proteste von Nachbarn, und Rechtsextreme nutzten den Unmut für ihre Zwecke aus. Es entstand die Gegenbewegung „Allende hilft“.

Unangenehmes Ritual

In Anbetracht der rasenden Geschwindigkeit, in der sich am östlichen Rand Berlins die Welt verändert hat, ist es geradezu überraschend, dass es nicht zu großen…

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03.06.2015