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Kultur

Spielen wir eben woanders

Das Rad muss stehenbleiben und der Geist ist sowieso nicht totzukriegen. Der Volksbühnen-Schauspieler Milan Peschel über das Ende einer Ära

BERLINER ZEITUNG / PAULUS PONIZAK
von
Anja Reich
und
Ulrich Seidler
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Kultur

Milan Peschel war Tischler-Lehrling, Bühnentechniker und Schauspieler an der Volksbühne. Er hat erlebt, wie Frank Castorf hier anfing und ist dabei, wenn er aufhört. In "Dark Star", der letzten Volksbühneninszenierung, bevor Chris Dercon das Haus übernimmt, spielt Peschel an der Seite von Christine Groß, Trystan Pütter und Martin Wuttke.

Wie ist das, ein neues Stück zu proben und gleichzeitig Abschied zu nehmen?

Es ist traurig, aber das vergisst man beim Spielen. Zumal ich schon beim Volksbühnen-Diskurs im Oktober dachte, das ist die letzte Premiere. Da standen mir die Tränen in den Augen. Ich dachte daran, wie ich das erste Mal in dieses Haus gekommen bin, wie überwältigt ich bei meiner ersten Premiere war. Und dass das jetzt alles vorbei ist.

Wann sind Sie das erste Mal an die Volksbühne gekommen?

In der 9. Klasse, 1985. Ich habe mich um eine Lehrstelle als Tischler für Dekorationsbau beworben. Zum Bewerbungsgespräch habe ich einen selbst gebastelten Schwibbogen mitgebracht. Als Beweis für meine handwerklichen Fähigkeiten. Mit 18 bin ich dann zur Bühnentechnik gekommen.

Wie war die Arbeit damals?

Ganz anders. Die Volksbühne war oft sehr schlecht besucht, das Theater so lala, Heiner Müller war schon nicht mehr am Haus, Fritz Marquardt auch nicht. Der Intendant war vom Kulturminister eingesetzt. 1988 kam Frank Castorf dann das erste Mal.

Und hat…

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12.05.2017