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Kultur

So weit der Ton trägt

Die Schriftstellerin Birgit Vanderbeke, als Kind aus der DDR in den Westen gekommen, erzählt vom Fluchtweg eines Mädchens

von Justus Nussbaum (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
von
Cornelia Geißler
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Kultur

BERLIN. Sie steht im zugigen Hausflur und zupft am Schal herum. Den soll man auch sehen. Gelb-schwarz ist der Schal, aber nicht so ordentlich aufgeteilt wie bei den Fußballfans von Borussia Dortmund. Birgit Vanderbeke legt den Mantel ab und zeigt ihren grauen Pullover über dem Jeansrock. Auch selbst gestrickt. "Ich habe irgendwann beschlossen, dass ich keine in Pakistan oder Bangladesch gefertigten Erdölklamotten mehr anziehe."

Diese Frau, eher klein als mittelgroß, schmal, mit weiß durchsträhnten Haaren und aufmerksamen Augen, wirkt gleich sehr klar in dem, was sie will. Sie konnte im Prinzip stricken, sagt sie, aber sie habe es dann noch einmal richtig gelernt, Design und Technik. Auf zwei Grundformen baue sich "ein extrem logisches, extrem intelligentes und wahnsinnig vielfältiges architektonisches Gebilde" auf, es sei wie das Schreiben.

Mit diesem Vergleich sind wir in ihrer eigentlichen Welt angekommen, bei ihrem Brotberuf. Strickkurse gibt sie nur nebenbei, für Touristen, für Aussteiger in Südfrankreich, wo sie lebt. Birgit Vanderbeke ist Schriftstellerin. Sie ist mit ihrem Roman "Ich freue mich, dass ich geboren bin" auf Lesereise. Diese Freude ist eine Behauptung. Der Widerspruch macht den großen Reiz des Buches aus.

Es ist auch die deutsch-deutsche Fluchtgeschichte, die den Leser schnell hineinzieht. Ein siebenjähriges Mädchen blickt am Geburtstag zurück auf die Zeit im Osten, auf die Monate im Aufnahmelager in den 1960er-Jahren,…

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06.05.2016