Lesezeit 17 Min
Kultur

Sie mit Ihren Zahlen!

Der Schauspieler Henry Hübchen wird siebzig. Muss man deswegen gleich übers Älterwerden reden? Muss man nicht. Aber man kann es versuchen

BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK
von
Frank Junghänel
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Kultur

Das Interview mit Henry Hübchen ist einerseits höchst vergnüglich und andererseits kompliziert. Beides hat mit seinem Beruf zu tun. Er ist Schauspieler, einer der besten, die es in Deutschland gibt. Nicht nur auf der Bühne, wie er es bei Frank Castorf an der Berliner Volksbühne über ein Jahrzehnt lang beweisen konnte, oder vor der Kamera, er ist es auch im Gespräch. Er erzählt, berlinert dabei wie ein Bademeister, er macht Sprüche, parodiert Kollegen, bremst aber auch mal das Tempo, um länger über eine Antwort nachzudenken. Anlass des Gesprächs ist sein neuer Film "Kundschafter des Friedens", in dem er einen reaktivierten Ost-Agenten spielt. Zum Schluss sagt er: "So, dann schickense mir das Ganze bitte recht bald, ich korrigiere sowieso alles noch mal." Das war kein Witz, wie sich herausstellen soll. Als Schauspieler weiß Hübchen um die Wirkung jedes einzelnen Wortes. Und die kontrolliert er gern bis zuletzt.

Herr Hübchen, ich möchte mit Ihnen über den neuen Film sprechen und auch ein wenig über das Leben an sich, wenn es Ihnen recht ist, kurz vor Ihrem siebzigsten Geburtstag.

Siebzigster Geburtstag, mein Gott, geht das schon los.

Sie sind wohl nicht so der Feiertyp?

Na ja, es geht so, ich muss in Stimmung sein. Das macht mir ..., ja, was macht es eigentlich? Du siehst schon den Horizont, und hinter dem geht's dann höchstwahrscheinlich nicht mehr weiter. Da kann Udo Lindenberg singen, was er will. Der fünfzigste Geburtstag war ein Datum, an dem ich mich das erste Mal verkrümelt habe. Fünfzig war eine Zahl, die ich nicht hören und nicht lesen wollte. Wenn Sie mir jetzt statt der Siebzig die Fünfzig anbieten würden, wunderbar. Jawohl, ich feiere erst mal meine Fünfzig nach oder mein gefühltes Alter - die Achtundvierzig.

Bei Ihnen ist in den zwanzig Jahren zwischen fünfzig und siebzig viel passiert. Sie haben sich vom Theater verabschiedet, sind in Film und Fernsehen präsent, roter Teppich hier, Hauptrolle da. Gibt's Grund zur Klage?

Vom Theater habe ich mich überhaupt nicht verabschiedet, ich spiele nur nicht. Und der rote Teppich ist nicht meine Lieblingsdisziplin. Grund zur Klage gibt es immer. Das lasse ich jetzt aber, weil Sie mir da nicht helfen können. Aber Sie haben recht, es ist eine Menge passiert…

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21.01.2017