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Schlamperei im Labor

Um Therapien für den Menschen zu entwickeln, sind Tierstudien nötig. Doch die sind häufig von geringer Qualität. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und andere Institutionen wollen das jetzt ändern

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von
Anke Brodmerkel
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Immer wieder war Ulrich Dirnagl stutzig geworden. Der Forscher der Berliner Charité ist seit vielen Jahren auf der Suche nach Methoden, um die Folgen eines Schlaganfalls beim Menschen zu lindern. Natürlich guckt er dabei auch stets, welche Erfahrungen andere Wissenschaftler vor ihm in Experimenten mit Tieren gesammelt haben.

"Allzu oft mussten mein Team und ich feststellen, dass sich die Ergebnisse der Kollegen nicht reproduzieren ließen", sagt Dirnagl. Der Mediziner, der an der Charité die Abteilung für Experimentelle Neurologie leitet, ging der Sache nach - und stellt der medizinischen Grundlagenforschung seither kein gutes Zeugnis aus.

Erst kürzlich hat eine von ihm geleitete, im Fachblatt Plos Biology veröffentlichte Untersuchung gezeigt, dass Studien an Tieren oft mangelhaft sind. Bei mehr als der Hälfte der Studien war die Zahl der verwendeten Tiere, meist Mäuse oder Ratten, nicht exakt angegeben. Und in vielen Fällen waren die Nager im Verlauf der Studie einfach von der Bildfläche verschwunden - ohne dass die Forscher erklärt hätten, warum sie die Tiere von der Auswertung ihrer Experimente ausgeschlossen hatten. "Ein solcher Tierschwund kann den Ausgang einer Studie maßgeblich beeinflussen", sagt Dirnagl.

Zudem seien die Ergebnisse ihrer jüngsten Untersuchung nur ein winziges Puzzleteil eines noch viel größeren Problems, fügt der Forscher hinzu. Andere Qualitätsaspekte, die in der klinischen Forschung längst Standard seien,…

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11.02.2016