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Rumwatscheln bringt festes Fleisch

Viel Auslauf und gutes Futter braucht, was später ein guter Braten werden soll. Ein Besuch in Westfalen, wo das Federvieh bei Bauer Flüteotto alle Zeit der Welt zum Wachsen hatte. Um dann von einem Fleischer in Berlin verkauft zu werden

Olga Selyutina / Shutterstock.com
von
Thomas Leinkauf
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Meine Weihnachtsgans hatte ein gutes Leben. Anfang Juni ist sie in einer der vielen kleinen Brütereien in der Oldenburger Gegend aus dem Ei geschlüpft. Noch als Eintagsküken wurde sie zu Heinrich Flüteotto auf die Reise geschickt, den hier alle Heiner nennen. Der Landwirt mit dem ungewöhnlichen Namen betreibt einen Geflügelhof in Westfalen in der Nähe von Paderborn. Gleich neben seinem Hof fließt die Ems, die nicht weit entfernt entspringt.

Flüteottos Hof soll es schon seit dem 17. Jahrhundert geben. Heinrich junior hat ihn 1994, da war er 27, von seinem Vater übernommen. Sein Hauptgeschäft ist die Aufzucht von Legehennen und etwa 5 000 Gänseküken, sogenannter Gössel, die er nach etwa vier Wochen an die Bauern in der Gegend weiterverkauft. Und dann bringt er noch ungefähr 1 500 Gänse selbst zur Schlachtreife, von denen ein Teil kurz vor Weihnachten auf die Reise nach Berlin geht.

Gössel mögen Regen nicht

Der geräumige Stall ist gut vorbereitet, als meine Weihnachtsgans als Küken im Juni hier ankommt. Es ist eingestreut, wie das in der Bauernsprache heißt, das ist wichtig und wird später mehrfach täglich wiederholt, damit das Gefieder sauber und trocken bleibt. Luft und Temperatur stimmen, das Futter steht bereit. "Was ich am Küken falsch mache", sagt Flüteotto, "kann ich später nicht mehr reparieren."

Die ersten drei Wochen bleiben die Gössel im warmen Stall, sie sind noch sehr empfindlich, ihr Gefieder ist…

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22.12.2015