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Gesellschaft

Rosen in Einschusslöchern

Die Jagd auf die Terroristen verwandelt die Pariser Vorstadt Saint-Denis in einen Kriegsschauplatz. Doch als die Einsatzkräfte abgezogen sind, zeigen die Menschen, dass sie sich keine Angst machen lassen

Frederic Legrand - COMEO / Shutterstock.com
von
Axel Veiel
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Gesellschaft

PARIS/SAINT-DENIS. Mittwochmittag ist es, als Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve Entwarnung gibt. Am Tatort tut er das, mitten in der Pariser Vorstadt Saint-Denis, nicht weit entfernt von jenem Haus, in dem sich eben noch Terroristen verschanzt und mit Sicherheitskräften Feuergefechte geliefert haben. Cazeneuve beklagt Einsatzbedingungen, "wie es sie in Frankreich bisher nicht gegeben hat".

Ein Mann tritt hinzu. Wie ein angeschlagener Boxer sieht er aus. Der Staatsanwalt François Molins ist es. Nach im Antiterrorkampf durchwachten Nächten liegen tiefschwarze Schatten unter den Augen des Pariser Ermittlers. In knappen Worten zieht er Bilanz: "Eine Terroristin hat sich in die Luft gesprengt, zwei Männer wurden erschossen, acht Männer wurden festgenommen, fünf Polizisten sind verletzt." Am Abend fügt Molins hinzu: "Eine neue Gruppe Terroristen wurde neutralisiert und mit Blick auf ihre Bewaffnung, ihre strukturierte Organisation und ihre Entschlossenheit deutet alles darauf hin, dass dieses Kommando zur Tat schreiten konnte." Der Einsatz zielte eigentlich auf den belgischen Islamisten Abdelhamid Abaaoud, der als Drahtzieher der Anschläge von Paris gilt. Er wurde nicht festgenommen. Eine von Kugeln durchsiebte Leiche in der Wohnung konnte aber bislang nicht identifiziert werden; Abaaoud könnte also theoretisch tot sein.

Für die Bewohner von Saint-Denis heißt das: Sie können ihre zum Kriegsschauplatz gewordene Stadt wieder in Besitz nehmen. Die am…

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19.11.2015