Lesezeit 6 Min
Politik

„Oinr isch emmr dr Arsch“

Cem Özdemir ist noch bis zum Parteitag Ende nächster Woche Vorsitzender der Grünen. Ein Gespräch über Abschied und Aufbruch

By Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen (Flickr: Cem Özdemir bei der LDK in Essen) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
von
Markus Decker
Lesezeit 6 Min
Politik

Der Schwabe macht einen aufgeräumten Eindruck, als wir zum Interview erscheinen. Dabei hat es mit dem Ministeramt auf Jamaika nicht geklappt. Und Robert Habeck wird bei der Bundesdelegiertenkonferenz wohl seine Nachfolge antreten. In Özdemirs Bundestagsbüro fehlt der Schal des VfB Stuttgart, der sonst den Schreibtisch schmückt. Den hat der Fan nach dem Heimsieg gegen Hertha BSC daheim gelassen.

Herr Özdemir, Sie sagten kürzlich, Sie gingen nicht im Groll. Ehrlich gesagt, kann ich das nicht glauben.

Ich springe jetzt auch nicht vor Freude an die Decke, bin aber dennoch weit entfernt von Groll. Ich spüre Zufriedenheit über das bisher Erreichte. Das kann man wohl nur verstehen, wenn man meine Biografie kennt. So manche Prognosen über mich von anderen haben sich im Kern als falsch erwiesen. Mir wurde immer gesagt, dass ich für das, was ich gerade machen möchte, nicht geeignet sei. Irgendwie habe ich's dann doch immer geschafft. Insofern schaue ich zurück und sehe, dass jemand aus dem kleinen schwäbischen Bad Urach, dessen Eltern als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind, jetzt fast zehn Jahre lang an der Spitze eine deutsche Partei vertreten durfte. Ich bin froh und dankbar, dass ich diese Verantwortung wahrnehmen durfte - wie gut, müssen andere entscheiden.

Bereuen Sie, nicht am Parteivorsitz festgehalten zu haben?

Ich habe das ja sehr früh gesagt. Auch um mich selbst zu binden und der…

Jetzt weiterlesen für 0,43 €
17.01.2018