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Geschichte

Oh, Blut und Wunder

Hunderttausende pilgerten einst zu den drei Hostien nach Wilsnack um Ablass zu erlangen. Ein Heilsrausch

By Membeth (Own work (Original text: Eigene Aufnahme)) [Public domain], via Wikimedia Commons
von
Maritta Tkalec
Lesezeit 7 Min
Geschichte

Jahr um Jahr erfasste Hunderttausende eine Macht, und das "Wilsnacklaufen" brach los. "Ohne Nachdenken und ohne Geld" seien die Leute losgezogen, sagen die Chroniken. Aus den Jahren um 1480 liefern sie Berichte wie diese: Aus Sachsen und Meißen machten sich wohl 10 000 "Jungen und Mädchen, Mägde und Knechte, der Pöbel aus den Städten und bäurische Leute" auf. 1100 liefen aus Eisleben los, 300 aus Erfurt, 324 aus Arnstadt und so fort. "Ein großes Volk" sei aus Österreich und Ungarn gekommen, aus Polen, Skandinavien, den Niederlanden und sonst woher. Sie liefen auf verschiedenen Wallfahrtswegen durch Mitteleuropa zum Heiligen Blut, um Hilfe in körperlichen oder seelischen Nöten zu erfahren.

Was war das nur, fragte sich auch der Magdeburger Bischof. Die Chronik der Stadt spiegelt die Beunruhigung des Oberhirten, dies müsse vom "Eingeben des Teufels" getrieben sein. Tausende Pilger zogen seinerzeit um den Peter- und Paulstag (29. Juni) durch Magdeburg. Fragte man sie, warum sie denn liefen, überliefert die Chronik diese Antwort: "Es sei ihnen in den Sinn gekommen, dass sie wandern sollten und sie konnten dem nicht widerstehen und mussten los." Viele gingen barfuß und im Büßergewand.

Doch was machte Wilsnack, das Dorf im Nordwesten Brandenburgs, vom 14. Jahrhundert an zum wichtigsten Wallfahrtsziel Nordeuropas? Warum pilgerte Kurfürst Friedrich II., der von Berlin/Cölln aus die Mark Brandenburg beherrschte, zwischen 1440 und 1451 sechsmal dorthin? Und wie…

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10.04.2017