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Kultur

Niemals ohne Happy End

Der Dirigent René Jacobs über übertriebene Strenge in der Alten Musik und die Freude am Unbekannten

MatthiasKabel (Own work) [GFDL or CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons<

René Jacobs ist einer der bekanntesten, vor allem aber einer der fantasievollsten Interpreten Alter Musik. Als Dirigent von Händel, Scarlatti oder Bach ist der einstige Countertenor weltweit gefragt. Besonders gern arbeitet der Flame in Berlin, wo er dem Rias-Kammerchor und der Akademie für Alte Musik eng verbunden ist. Jetzt dirigiert er eine Oper von Agostino Steffani, die 300 Jahre im Archiv verstaubte.

Herr Jacobs, wo graben Sie immer wieder diese alten Stücke aus?

Ich kannte bereits Teile der Oper. Eine Arie habe ich selbst noch als Sänger gesungen, in den Achtzigerjahren. Ich kannte genug, um zu sehen, dass es sich da um einen höchst originellen Komponisten handelt.

Wer war der Komponist?

Steffani war eine sehr interessante Persönlichkeit, ein Allroundmensch wie Leonardo da Vinci. Ein Priester, der es zum Erzbischof gebracht hat und der ein Diplomat für den Papst war, eine Art Spion. Er hat vor allem in Deutschland gearbeitet, München, Hannover, Düsseldorf. Am Ende hat er nicht mehr so viel komponiert, denn es war keine so gute Idee, sich als arrivierter Geistlicher noch als Opernkomponist zu profilieren, mit Primadonnen et cetera. In Steffanis Natur prallen Erotik und Spiritualität aufeinander. Die Schriftstellerin Donna Leon hat Steffani sogar zur Hauptfigur eines ihrer Krimis gemacht.

Wieso dauerte es drei Jahrzehnte, bis Sie sich an das Werk wagten…

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22.04.2016