Lesezeit 7 Min
Gesellschaft

Nicht vom Beckenrand springen

Vor einem Jahr floh Aiham Shalghin aus Syrien. Nun ist er Bademeister in Tübingen - und gilt als Musterbeispiel der Integration

Andrey Armyagov / shutterstock.com
von
Bernhard Honnigfort
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Gesellschaft

TÜBINGEN. Aiham Shalghin schlendert zu seinem Türmchen, seiner kleinen knallroten Aussichtsplattform, vorbei an der Dusche, schwupp, ein paar Stufen die Leiter hoch, dann ein paar Blicke in die Runde, über die Becken und die Wiesen, auf denen Mütter ihre Kinder abtrocknen und mit Obst versorgen, ein Blick auf die Rutsche, keiner drauf, dann wieder runter vom Türmchen. "Nicht viel los heute", sagt er.

Nur 70, vielleicht 80 Besucher sind es gerade im Tübinger Freibad. An sonnigen Wochenenden kommen 8 000 bis 10 000. Es könnten also mehr sein, aber es ist ein bewölkter und extrem schwüler Freitagnachmittag. Und wer hat schon Lust zu baden, wenn es gleich regnen könnte? "Macht nichts", sagt Shalghin. Um halb zwei hat seine Schicht begonnen. Es wird ein ruhiger Nachmittag.

Seit Anfang Mai ist der 24-Jährige aus Damaskus Bademeister in Tübingens Freibad. Er lebt seit einem Jahr in Deutschland, mit Aufenthaltserlaubnis über drei Jahre und Arbeitserlaubnis. In seiner Heimat hat er Jura studiert und nebenher als Bademeister gearbeitet; ein Job, der hierzulande für eine kleine Sensation reicht. Anfangs war keinem in Tübingen so recht aufgefallen, welches mediale und politische Potenzial in der Geschichte des athletischen jungen Mannes steckt. Die Stadtwerke waren froh, ihn bekommen zu haben, einen Bademeister, der Arabisch spricht, Deutsch lernt und mit Wort und Trillerpfeife für Ordnung sorgen kann. Eine Zufallsgeschichte war das, ein Treffen bei einer…

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23.08.2016