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Kultur

Mit der Tinte der Gefühle

Benedict Wells hat eines der Bücher des Jahres geschrieben. „Vom Ende der Einsamkeit“ heißt es. Versuch einer Begegnung mit dem scheuen Autor

´By Martin Brenner (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons
von
Cornelia Geißler
Lesezeit 9 Min
Kultur

BERLIN. Die Lesung ist ausverkauft, seit Wochen schon. Dicht gedrängt sitzen mehr als 150 Menschen in der Steglitzer Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, eindeutig mehr Frauen als Männer. Unten auf der Schlossstraße blinken Sterne und Rentiere, hier oben in der dritten Etage scheint alles Licht in den Mittelraum gesaugt, wo die Stühle stehen. Langsam kommt der Autor hinter den Regalen hervor. Ein schmaler junger Mann mit Schal um den Hals. Er entschuldigt sich für seine klobigen Schuhe, die hinter dem Lesungstisch gar nicht zu sehen sind, er habe sich beim Fußball ein bisschen verletzt. Freundlich schaut er ins Publikum, er moderiert den Abend selbst und sagt: "Die Lesung lebt von euren Fragen."

Benedict Wells heißt der Autor, er ist 32 Jahre alt, er duzt gern. Es wäre aber falsch, daraus zu schließen, dass er jemand ist, der das Leben in der Öffentlichkeit genießt. Das Gegenteil ist der Fall. Eigentlich bliebe er gern unerkannt. Was aber schwierig ist im Moment.

Benedict Wells hat eines der Bücher des Jahres geschrieben. "Vom Ende der Einsamkeit" heißt es, Anfang Februar ist es erschienen. Wells hat seitdem viele Lesungen absolviert, Journalisten aber meidet er. Interviews gibt er generell nicht, er mag nichts preisgeben von seinem privaten Leben, möchte nicht sprechen über sich und seine durchaus prominente Familie. Nicht er, sein Werk soll beachtet werden.

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28.12.2016