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Kultur

Miniplex mit Magie

Ist es nicht verrückt, in Zeiten von Netflix und Streaming ein Kino zu eröffnen? Vielleicht, sagt Verena von Stackelberg - und tut genau das. Ein Besuch in Neuköllns neuem Kiezkino "Wolf"

nexus 7 / Shutterstock.com
von
Petra Ahne
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BERLIN. Verena von Stackelberg ahnte lange nicht, dass der Ort, an dem sie ihren Traum verwirklichen würde, ganz nah war. Er sah auch nicht danach aus, der Eckladen schräg gegenüber ihrer Wohnung in Neukölln war ein dunkles, abweisendes Loch, mit zugeklebten Scheiben. An einem Fenster stand in großen Buchstaben "Zigarre", darum ging Verena von Stackelberg einmal rein, sie dachte, es sei ein Tabakgeschäft. Es war aber nur der Name des Bordells, das hier untergebracht war. Verena von Stackelberg hat das Erdgeschoss auf der anderen Straßenseite dann nicht weiter beachtet, bis 2011 vor der "Zigarre" plötzlich viel Betrieb war. Männer trugen Sachen raus, Spiegel, Kisten, Teppiche. Das Bordell zog aus. Sie fand heraus, wem das Haus gehörte, konnte sich die leeren Räume ansehen. Als sie wieder rauskam, wusste sie, dass dies der Ort war, auf den sie gewartet hatte. Dass sie hier ihr Kino eröffnen wollte.

Es war ein großer, ein verrückter Traum, und deswegen findet Verena von Stackelberg es ganz in Ordnung, dass es sechs Jahre gedauert hat, ihn wahr zu machen. Sie geht durch einen großen Raum, der nach Tischlerwerkstatt aussieht, in ein paar Tagen aber eine Bar sein wird, stößt eine schwere Tür auf, auf der "Saal 1" steht: dunkelgraue Wände, sanftes Licht aus schlichten Wandleuchten, weinrote Kinosessel. Der kleine Saal liegt verheißungsvoll da, wie leere Kinosäle das immer tun. Weil sie nur auf den Moment zu warten scheinen, an dem das Licht ausgeht und auf der…

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16.02.2017