Lesezeit 9 Min
Politik

Kalte Hände

Der Bundestag gedenkt der NS-Opfer. Erstmals nimmt die AfD-Fraktion daran teil. Und es zeigt sich, dass das Parlament noch keinen Umgang mit den Rechtspopulisten gefunden hat

betexion / pixabay.com
von
Markus Decker
,
Kordula Doerfler
und
Daniela Vates
Lesezeit 9 Min
Politik

Alexander Gauland klatscht. Aber er tut es wie in Zeitlupe. Ein bisschen so, als wolle er nicht. Oder als sei er so tief in Gedanken versunken, dass ihm die eigene Langsamkeit gar nicht mehr auffällt. Es gibt nicht wenige, die den Fraktionschef der Alternative für Deutschland (AfD) für einen Antisemiten halten. Doch die Mehrheit seiner Fraktion spendet Beifall, als Anita Lasker-Wallfisch geendet hat. Die 92-jährige Jüdin ist dem Konzentrationslager Auschwitz entronnen, sie hält im Deutschen Bundestag die Gedenkrede zu dessen Befreiung im Januar 1945. Eine Minderheit aber applaudiert nur widerwillig oder eben gar nicht - so etwa der bayerische Parlamentarier Hansjörg Müller oder Detlev Spangenberg aus Sachsen. Und als Lasker-Wallfisch die anfangs offene deutsche Flüchtlingspolitik rühmt, da regt sich in den Reihen der AfD keine Hand. Das Parlament, so viel ist sicher, erlebt an diesem 31. Januar 2018 doppelt denkwürdige Minuten.

Hass vergiftet den Hassenden

Zunächst ist da diese Gedenkstunde, die von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble eröffnet wird. Es ist der erste große Auftritt des Christdemokraten in neuer Funktion. Schäuble, Jahrgang 1942, spricht schnörkellos. "Aus der Schuld, die Deutsche in den zwölf Jahren der NS-Diktatur auf sich geladen haben, wächst uns nachfolgenden Generationen eine besondere Verantwortung zu", mahnt er. Um ihre Freiheit zu sichern, brauche eine Gesellschaft eine konsequente Haltung gegen jede Art der Ausgrenzung,…

Jetzt weiterlesen für 0,46 €
01.02.2018