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Gesellschaft

Jimi Hendrix und Latte Macchiato

In den Cafés von Asmara ist wenig von all dem zu bemerken, was das Leben in Eritrea unerträglich macht. Jeden Monat verlassen Tausende das Land

By David Stanley from Nanaimo, Canada (Harnet AvenueUploaded by russavia) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons
von
Johannes Dieterich
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Gesellschaft

ASMARA. Sonntagmorgen in Asmara. Die mit Palmen gesäumten Alleen der schönsten Stadt Afrikas füllen sich allmählich mit Leben. Junge Pärchen flanieren an stilvollen, von mangelnder Pflege etwas mitgenommenen Häuserfassaden vorbei. Auf den von italienischen Architekten der Kolonialzeit entworfenen Straßenzügen überholen Autos aus den 60er-Jahren Eselskarren, während die Glocken von mächtigen Kathedralen mit dem Ruf der Muezzine wetteifern. Im Café Zilli, das als Kulisse für den Film "Casablanca" hätte dienen können, wird ein liebevoll geschichteter Latte Macchiato gereicht; und im Cinema Roma, das mit seinem eleganten Art-Deco-Stil von edleren Zeiten zeugt, wischen Putzfrauen das Holzgestühl. Und das also soll die Hölle Afrikas sein?

In Eritrea herrsche ein totalitäres Regime, dessen "Ausmaß und Umfang nahezu beispiellos" sei, heißt es in einem von der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen jüngst veröffentlichten Bericht. In dem Kleinstaat am Horn von Afrika komme es regelmäßig zu "außergerichtlichen Hinrichtungen, weit verbreiteten Folterungen, sexueller Sklaverei und Zwangsarbeit" – in manchen Presseberichten wird Eritrea sogar als Afrikas Nordkorea bezeichnet.

Tatsache ist, dass der sechs Millionen Einwohner zählende Staat gegenwärtig seine Bevölkerung verliert. Rund 5 000 Eritreer verlassen nach UN-Angaben Monat für Monat ihre Heimat. Neben den Syrern sind es vor allem Eritreer, die zu Zigtausenden in Richtung Europa strömen – und dabei zu…

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07.08.2015